Samstag, 20. November 2010

Van sold, Bishop and Joshua Tree

Yuhu, wir haben unser Auto verkauft.
Das ist vielleicht der richtige Zeitpunkt um mal was über "Baby blue" (so heißt der Van) zu schreiben. Es ist ein alter (1992) GMC-Van, der seit März in deutscher Hand ist. Der Van ist supercool, man wird ständig darauf angesprochen, weil er auch noch total gut in Schuss ist. Und jeder der einen Blick hinein wirft ist neidisch auf unser "King size bed". Wir haben also (dank Gerlind und Gunter) ein riesen Matratze drin, die passt ganz genau rein und ist Luxus pur. Vor allem wenn es wie jetzt  immer um 17 Uhr dunkel und kalt wird.

Und weil der Van so toll ist, hatte Jason aus Boulder gleich bei unserer Ankunft gesagt, dass er ihn dann kauft. Er sollte ihn wor unserem Abflug in Los Angeles abholen. Vor einer knappen Woche kam dann die Nachricht, dass er weder Zeit noch Geld hat, das Auto zu kaufen. Also kurzzeitig Stress und große Van-for-Sale-Aktion. Nachdem erstmal ein paar Tage nix passiert ist, hatten wir gestern plötzlich drei Interessenten und haben den Van dann heute an zwei supernette Kletterer verkauft. Die sind auf einem "Roadtrip", ihr altes Auto war etwas eng und jetzt werden sie mindestens bis zum Sommer in "Baby blue" wohnen. Wir können das Auto noch bis Dienstag behalten und werden dann von den beiden am Flughafen abgesetzt. Perfekt.

Soviel zum Auto...

Wir waren noch drei Tage in den Buttermilks bzw. Happys bouldern. Dabei haben wir Katinka und Axel aus Stuttgart getroffen, die sind 9 Monate hier und haben eine Homepage mit ein paar Infos zu Bouldergebieten in den USA (+Squamish): http://axel.perschmann.info/
Wir waren mit den beiden bouldern und zum Abschluss nochmal in den Hot Springs (Keough Hot Springs Road). Diesmal wars auch wieder hot, weil das Hot Springs Schwimmbad ab 19 Uhr geschlossen hat und das Wasser nicht mehr abzapft.
Wir waren 2 Stunden planschen, das war sehr lustig, allerdings waren wir nachher sowas von aufgeweicht...

Jetzt sind wir in Joshua Tree. Landschaftlich ist der Nationalpark echt nett, viele Gipfel, Blöcke, Felshaufen und dazwischen überall die Joshua Bäume. Allerdings fehlen die Highlights und das Klettern reißt uns nicht so vom Hocker. Ansich ist die Kletterei cool, allerdings merkt man bei der Absicherung, dass das ein altes Klettergebiet ist. Entweder Risse, die immer schwerer sind als sie aussehen oder 30m-Platten mit 3 bis 4 Bohrhaken.

Unsere erste Route hier war 5.9 und echt krass. Crux zum zweiten Haken in 15 m Höhe mit Erdungspotenzial in Blöcken. Und für 5.9 voll abgefahren. Tino ist im Nachstieg direkt mal reingefallen (Nachstieg ist aber auch nicht sein Ding:)).
Es gibt viele Routen die man laut Kletterführer nur im Toprope klettern soll. Das ist doch komisch. Und dann sollte es wenigstens auch mal Umlenker (oder irgendwelche Haken) geben, damit man zum Topropen nicht den ganzen Gipfel mit Schlingen und Cams einstricken muss.

Heute waren wir Wäsche waschen und da hat uns ein alter Mann erzählt, dass es in so einer Kirche in der Nähe zwischen 16 und 18 Uhr kostenloses Thanksgiving Dinner gibt. Thanksgiving ist morgen und wird hier echt groß gefeiert. Jedenfalls sind wir da natürlich hingefahren und haben uns ein ordentliches Truthahn-Essen abgeholt. Die Leute da sahen alle bedürftig aus, allerdings standen dafür echt große Autos vor der Tür. Das Essen wurde von Pfadfindern serviert und war total lecker. Drei Gänge.

Montag, 15. November 2010

Red Rocks Genuss und Bishop

Nachdem ich mir im "Monkeyfinger" die Finger verletzt hatte und wir im "Prince of Darkness" in der Dunkelheit ohne Lampe absteigen mussten, hatten wir ein bisschen Angst davor, was uns erwartet, wenn wir "Levitation 29" klettern. Levitation heißt übersetzt "freies Schweben" und 29... mmh.

"Levitation 29" ist eine der besten Mehrseillängenrouten in den Red Rocks, 5.11c und 9 Seillängen. Zur Abwechslung hat mal alles funktioniert, wir haben alles gleich gefunden und die Route war echt der Hammer. Die Absicherung ist super, neue Bohrhaken wo man sie braucht, sehr solide Stände und zwischendurch muss man auch mal nen Klemmkeil legen. Die schweren Stellen sind cool, wir waren begeistert. Absolute Empfehlung!!! (Link: Levitation 29)

Auch eine Empfehlung, allerdings weniger förderlich fürs Klettern: CiCi´s Pizza. Da gibts für 5 Dollar Pizza-All-You-Can-Eat. Und die Pizza ist echt gut. CiCi´s gibts mehrfach in Las Vegas und offenbar auch sonst überall in den USA. Es gibt Pizza, Pasta, Salat und Dessert, lustigerweise gibts auch Pizza die mit Pasta bzw. Salat bzw. Dessert belegt ist.

Wir sind auch mal wieder durchs Death Valley gefahren, diesmal waren die Temperaturen angenehm, man konnte sogar aussteigen und sich was angucken.
Badwater (86m unter NN) im Death Valley - Laufen auf der Salzkruste

Jetzt sitzen wir in Bishop im "Black Sheep" und trinken Kaffee, das ist hier der Kletterertreffpunkt. Wir waren in den Buttermilks und den Happies bouldern und es lief eigentlich ganz gut. Vor allem Tino ist viel besser als beim letzten Mal als wir hier waren. Heute früh waren wir in den Hot Springs baden, leider sind die gerade gar nicht hot sondern nur warm.

Bouldern in Bishop

Dienstag, 9. November 2010

Red Rocks Abenteuer

Die gute Nachricht ist, dass es meinen Fingern wieder besser geht. Ich hab halt am Zeigefinger eine Brandwunde vom Seil und eine Verstauchung im kleinen Finger. Das wird immer schön getapt und so kann ich schon wieder klettern.
Die schlechte Nachricht ist, dass wir gerade in Las Vegas im Luxor zum Mittags-all-you-can-eat waren und es Tino jetzt schlecht geht:) Er hat echt unglaublich viel gegessen und liegt jetzt völlig fertig neben mir im Auto. Er meinte gerade, dass in seinen Gliedmaßen gar kein Blut mehr ist, weil das alles im Bauch benötigt wird.
Las Vegas, der Strip

Nach unserem kleinen Kletterunfall hatten wir keine Lust mehr auf Zion und mit meiner Hand war an Rissklettern auch nicht zu denken. Die großen Ziele mussten also mal wieder verschoben werden, wir kommen bestimmt mal wieder in den Zion. Wir sind also nach Las Vegas gefahren, hatten erstmal noch ein bisschen Stress, weil wir zwei neue (gebrauchte) Reifen für unser Auto brauchten, die wir dann nach vielem Hin und Her bei einer Mexikaner-Autowerkstatt bekommen haben. Nur bei den Mexikanern bekommt man gebrauchte Reifen, wir hatten dann glücklicherweise eine Werkstatt gefunden, wo sogar jemand Englisch sprach.

Wir waren dann zwei Tage am Mount Charleston klettern (bzw. ich hab erstmal nur gesichert), dass ist eine Stunde von Las Vegas weg, man ist aber in einer völlig anderen Welt. Berge mit Schnee, kaum Menschen, Ruhe, landschaftlich wie in den Alpen. Da gibt es viele Kalkklettergebiete, allerdings ist die Kletterei irgendwie gewöhnungsbedürftig.
Kletterkollege in den Red Rocks

Dann sind wir in die Red Rocks gefahren, waren schön an der Gallery sportklettern und haben gestern mal wieder ein echtes Abenteuer erlebt. Eigentlich wollten wir nur den "Prince of Darkness" klettern, das ist hier die Sportklettermehrseillängenroute, die jeder macht. 5.10c, 6 Seillängen und richtig schön. Nachdem wir die Zufahrt über die Dirt Road gefunden hatten (Tipp für Leute die auch mal zum Black Velvet Canyon fahren wollen: die Dirt Road beginnt jetzt an dem großen neuen Parkplatz), hatten wir erstmal Glück, denn wir waren die Ersten an der Wand. Weniger gut war das Wetter, denn es war sehr unangenehmer Sturm und dadurch richtig kalt. Die sechs Seillängen gingen trotzdem ganz gut. Danach wollten wir aber weiter machen und damit begann das Abenteuer. Mit unserem 70m Seil hätten wir nicht ohne Materialverlust (2 Karabiner) abseilen können und im Kletterführer stand, dass man mit 5 weiteren, leichten Seillängen auf den Gipfel klettern und runterlaufen kann. Das erste Stück ging auch gut, es kamen auch noch ein Stand. Allerdings fing es zwischendurch mal an zu schneien. Als ich am zweiten Stand (Absatz mit Baum) ankam, meinte Tino, dass hier voll die Leiche liegt. Und da lag tatsächlich eine menschliche Leiche! Unfassbar. Die liegt da zwar sicher schon sehr lange, weil die Knochen ganz sauber sind und einige Knochen fehlen (z. B. auch der Kopf), aber es ist einfach mal ein toter Mensch und man sieht auch noch die Klamotten. Danach wurde die Wegfindung immer schwieriger, offenbar klettert das nie jemand und zurück ging es auch nicht mehr richtig. Aber wir dachten ja, dass wir jeden Moment oben sind. Es wurde aber immer weiter und irgendwann stellten wir fest, dass wir wirklich noch sehr sehr weit hoch müssen, um dann runterlaufen zu können. Es wurde dann Speedklettern im Kampf gegen die untergehende Sonne. Den Abstieg sind wir komplett runter gerannt (in Kletterschuhen). Tino immer vorneweg, auf der Suche nach den Steinmännern. Im Dunkeln wäre das nicht zu finden gewesen. Endlich am Auto angekommen musste Tino nochmal los, um die Rucksäcke vom Einstieg zu holen. Dabei hat er noch zwei Japaner gerettet, die sich voll verlaufen hatten.

Jetzt sitzen wir also glücklich in Las Vegas hinterm Mc Donalds, neben uns hat gerade ne fette Limosine geparkt. Beim letzten Ruhetag hier haben wir uns sogar mal an einen "einarmigen Banditen" getraut. Wir wussten erst nicht, wie das geht, haben einfach mal einen Dollar reingeschoben und auf die Tasten gedrückt und direkt 12,50 $ gewonnen! Yuhu.

Dienstag, 2. November 2010

Monkeyfinger

Eigentlich wollten ich gerade in der 8. Seillänge des "Monkeyfingers" (5.12b) sein. Nun sitzen wir schon wieder in der Bibliothek.

Und das kam so... Ich bin gerade in der Crux-Seillänge (3.) um meine Monkeyfinger in den viel zu engen Fingerriss zu stopfen. Nachdem ich mich entschlossen hatte mein Onsight gegen sicheres Legen von Klemmgeräten zu tauschen, wollte ich mich erstmal ins Seil setzen. Fehler! Meine tollen Mikrocams hatten wohl noch nicht ausgeschlafen, sodass ich mich eine Sekunde später 4m unter Lisa im Standplatz hängend befand. Blick nach unten.
Schadensmeldung: Mir war nichts passiert, außer Fassungslosigkeit. Es lebe das Grigri. Jedoch hatte Lisa die Rolle der Monkeyfinger übernommen. Es hat sie ziemlich bescheuert gegen den Stand gezogen, sodass die Finger im Seil eingequetscht wurden. Hautverlust und ein komisch wirkender kleiner Finger veranlassten uns zum Abseilen und zur Fahrt zum Arzt (Miniklinik im Zion).
Diagnose: Nichts gebrochen, sondern ein bisschen verrenkt und gequetscht, halb so wild... Glück gehabt.

Deshalb sitzen wir jetzt hier und ich schreibe zur Abwechslung mal den Text. Mein Monkeyfinker sitzt neben mir und nimmt homöopathische Mittelchen von meiner Mutti:-)


Die nächsten Tage ist wohl Wandern angesagt.

Montag, 1. November 2010

Zion-Abenteuer

Wir sind immer noch im Zion und sitzen mal wieder in der Bibliothek, wie meistens an Ruhetagen.


Als erstes eine Routenempfehlung: The Headache 5.10. Drei Seillaengen, superschoen, quasi durchgaengig Handriss, ohne fiese Stellen.

18 Seillaengen, 600 m lang und nur bedingt zu empfehlen, dafuer aber eine spannende Geschichte: Tricks of the Trade 5.10+ C2 am Isaac; Links: Topo und Bilder;
In der Zeitung vom Zion Nationalpark stehen 8 Routen fuer die man ein Permit braucht, weil sie so beliebt und stark frequentiert sind. Die einzige dieser 8 Routen, die wir nicht kannten, war Tricks of the Trade, also haben wir nachgeguckt und festgestellt, dass das gut aussieht und auch von den Schwierigkeitsgraden als erste lange Route geeignet ist. Wir sind also um 6 aufgestanden, um 7 mit dem Shuttle-Bus gefahren und dann nach etwa 45 Minuten Zustieg 8.15 Uhr in die Wand eingestiegen.
"Tricks..." (5.10+ C2, 600m) geht durch den zentralen Wandteil des mittleren Sandsteinklotzes (Isaac)

Die erste Seillaenge war gleich ordentlich schwer, beginnt mit Fingerriss und wird dann zu so einer unangenehmen Breite wo das Knie gerade noch nicht reinpasst. Tino hat sich voll den Knoechel aufgerissen und den Rest der Route mit Blutspuren markiert. Ab der dritten Seillaenge ist man in einem endlosen Kaminsystem, mit teilweise gruseliger Gesteinsqualitaet und Tonnen von Sand und Geroell auf Baendern und Absaetzen. Nach 8 Seillaengen standen wir um 12.30 Uhr dann endlich unter der beeindruckenden Headwall. Hier hatten zwei andere Kletterer gepennt und hingen jetzt ein paar Seillangen weiter oben. Die Headwall startet mit einem Offwidth (Offwidth sind alle Rissbreiten die groesser als Faust und kleiner als ein Kamin sind). Dann folgt ein cooler Handriss, von dem man einen 15 m Pendelquergang nach rechts ins naechste Risssystem macht. Nun kommt eine Seillaenge, die teilweise nur technisch kletterbar ist, weil der Riss immer enger wird und irgendwann ganz zu ist. Frueher wurden da Normalhaken reingeschlagen und in die Aufweitungen passen jetzt offset-Klemmkeile. Also hat sich Tino schoen mit Keilen und Trittschlingen hochgearbeitet. Als er gerade an einer etwas breiteren Rissstelle steckte, schrien die Amis von oben auf einmal "Rock, Rock, Rooooooock", wir gingen in Deckung so gut es ging und ueber uns schlug ein rucksackgroßer Felsbrocken ein. Zum Glück ist die Wand so steil, dass die Einzelteile des Brockens an uns vorbeisegelten, dafuer rieselte noch eine Minute lang unglaublich viel Sand auf uns drauf. Hui. Schock. Großes Kino. Die Gesteinsqualitaet der Headwall ist eben auch nicht zu gut, der Fels ist irgendwie kruemmlig und es gibt viele lose Bloecke im Riss. Erstaunlich fuer eine Route, die eigentlich taeglich geklettert wird. Und es macht einen echt nervlich fertig, wenn der Fels immer broeselt . Wir schieben uns noch die naechsten beiden, schoenen Seillaengen hoch, dann ist es um 5 und wir beschliessen umzudrehen. Irgendwie hat auch alles ganz schoen lange gedauert, viele der 14 Seillaengen waren echt schwer. Die Amis kommen auch gerade wieder runter und versichern uns, dass die letzten 4 Seillaengen nicht mehr toll sind, Kamine, bloedes Gestein und so. Wir seilen also zu viert ab, das ist auch gut, weil die zwei 60 m Seile haben und wir nur ein 50er und ein 70er. Das Abseilen geht erstaunlich schnell und mit deutlich weniger Steinschlag als befuerchtet. Kurz vor 19 Uhr kommen wir im letzten Licht unten an. Beim Abstieg rutscht Tino aus und faellt genau in einen Kaktus, d. h. wir haben abends noch ordentlich zu tun um Hand, Arm und Oberkoerper von ganzen Stachelbuescheln zu befreien.

Am naechsten Morgen fuehlen wir uns ganz schoen fertig und Tino ist immer noch traurig, dass wir nicht ganz oben angekommen sind.

Gestern waren wir im Kolob-Canyon klettern, der gehoert auch zum Zion, hat aber einen anderen Nationalparkeingang. Verschiedene Leute hatten uns erzaehlt, dass man da klettern kann und in einer Kletterzeitung haben wir ein Bild gesehen, dass uns endgueltig ueberzeugt hat. Um zu den Routen zu kommen, laueft man eine halbe Stunde in einen Canyon rein und erlebt ein echtes Farbwunder. Auf beiden Seiten mehrere hundert Meter hohe, rote Sandsteinwaende, man laueft durch den feinen roten Sand, die Baeume waren richtig gelb, alle anderen Gewaechse gruen und der Himmel blau, dazu irgendwie abgefahrenes Licht. Tinos Aussage: "Das waer ja so schon geil gewesen hier nur so reinzulaufen, wenn wir jetzt noch geil klettern koennen, ist es urst geil." Dann sind wir an der Wand angekommen und es war urst geil. Man klettert in solchen Lochstreifen, die Loecher ("huecos" genannt) sind zum Teil echt gross. Es gibt nicht so viele Routen, dafuer sind die 35 m lang und 15 m ueberhaengend. Wir sind 5.10, 5.12a und 5.12c geklettert, das sind die am haeufigsten gekletterten Routen. Ein echtes Muss fuer alle die mal hier in der Naehe sind.
Tino klettert Namaste (5.12a) im Kolob-Canyon