Montag, 1. November 2010

Zion-Abenteuer

Wir sind immer noch im Zion und sitzen mal wieder in der Bibliothek, wie meistens an Ruhetagen.


Als erstes eine Routenempfehlung: The Headache 5.10. Drei Seillaengen, superschoen, quasi durchgaengig Handriss, ohne fiese Stellen.

18 Seillaengen, 600 m lang und nur bedingt zu empfehlen, dafuer aber eine spannende Geschichte: Tricks of the Trade 5.10+ C2 am Isaac; Links: Topo und Bilder;
In der Zeitung vom Zion Nationalpark stehen 8 Routen fuer die man ein Permit braucht, weil sie so beliebt und stark frequentiert sind. Die einzige dieser 8 Routen, die wir nicht kannten, war Tricks of the Trade, also haben wir nachgeguckt und festgestellt, dass das gut aussieht und auch von den Schwierigkeitsgraden als erste lange Route geeignet ist. Wir sind also um 6 aufgestanden, um 7 mit dem Shuttle-Bus gefahren und dann nach etwa 45 Minuten Zustieg 8.15 Uhr in die Wand eingestiegen.
"Tricks..." (5.10+ C2, 600m) geht durch den zentralen Wandteil des mittleren Sandsteinklotzes (Isaac)

Die erste Seillaenge war gleich ordentlich schwer, beginnt mit Fingerriss und wird dann zu so einer unangenehmen Breite wo das Knie gerade noch nicht reinpasst. Tino hat sich voll den Knoechel aufgerissen und den Rest der Route mit Blutspuren markiert. Ab der dritten Seillaenge ist man in einem endlosen Kaminsystem, mit teilweise gruseliger Gesteinsqualitaet und Tonnen von Sand und Geroell auf Baendern und Absaetzen. Nach 8 Seillaengen standen wir um 12.30 Uhr dann endlich unter der beeindruckenden Headwall. Hier hatten zwei andere Kletterer gepennt und hingen jetzt ein paar Seillangen weiter oben. Die Headwall startet mit einem Offwidth (Offwidth sind alle Rissbreiten die groesser als Faust und kleiner als ein Kamin sind). Dann folgt ein cooler Handriss, von dem man einen 15 m Pendelquergang nach rechts ins naechste Risssystem macht. Nun kommt eine Seillaenge, die teilweise nur technisch kletterbar ist, weil der Riss immer enger wird und irgendwann ganz zu ist. Frueher wurden da Normalhaken reingeschlagen und in die Aufweitungen passen jetzt offset-Klemmkeile. Also hat sich Tino schoen mit Keilen und Trittschlingen hochgearbeitet. Als er gerade an einer etwas breiteren Rissstelle steckte, schrien die Amis von oben auf einmal "Rock, Rock, Rooooooock", wir gingen in Deckung so gut es ging und ueber uns schlug ein rucksackgroßer Felsbrocken ein. Zum Glück ist die Wand so steil, dass die Einzelteile des Brockens an uns vorbeisegelten, dafuer rieselte noch eine Minute lang unglaublich viel Sand auf uns drauf. Hui. Schock. Großes Kino. Die Gesteinsqualitaet der Headwall ist eben auch nicht zu gut, der Fels ist irgendwie kruemmlig und es gibt viele lose Bloecke im Riss. Erstaunlich fuer eine Route, die eigentlich taeglich geklettert wird. Und es macht einen echt nervlich fertig, wenn der Fels immer broeselt . Wir schieben uns noch die naechsten beiden, schoenen Seillaengen hoch, dann ist es um 5 und wir beschliessen umzudrehen. Irgendwie hat auch alles ganz schoen lange gedauert, viele der 14 Seillaengen waren echt schwer. Die Amis kommen auch gerade wieder runter und versichern uns, dass die letzten 4 Seillaengen nicht mehr toll sind, Kamine, bloedes Gestein und so. Wir seilen also zu viert ab, das ist auch gut, weil die zwei 60 m Seile haben und wir nur ein 50er und ein 70er. Das Abseilen geht erstaunlich schnell und mit deutlich weniger Steinschlag als befuerchtet. Kurz vor 19 Uhr kommen wir im letzten Licht unten an. Beim Abstieg rutscht Tino aus und faellt genau in einen Kaktus, d. h. wir haben abends noch ordentlich zu tun um Hand, Arm und Oberkoerper von ganzen Stachelbuescheln zu befreien.

Am naechsten Morgen fuehlen wir uns ganz schoen fertig und Tino ist immer noch traurig, dass wir nicht ganz oben angekommen sind.

Gestern waren wir im Kolob-Canyon klettern, der gehoert auch zum Zion, hat aber einen anderen Nationalparkeingang. Verschiedene Leute hatten uns erzaehlt, dass man da klettern kann und in einer Kletterzeitung haben wir ein Bild gesehen, dass uns endgueltig ueberzeugt hat. Um zu den Routen zu kommen, laueft man eine halbe Stunde in einen Canyon rein und erlebt ein echtes Farbwunder. Auf beiden Seiten mehrere hundert Meter hohe, rote Sandsteinwaende, man laueft durch den feinen roten Sand, die Baeume waren richtig gelb, alle anderen Gewaechse gruen und der Himmel blau, dazu irgendwie abgefahrenes Licht. Tinos Aussage: "Das waer ja so schon geil gewesen hier nur so reinzulaufen, wenn wir jetzt noch geil klettern koennen, ist es urst geil." Dann sind wir an der Wand angekommen und es war urst geil. Man klettert in solchen Lochstreifen, die Loecher ("huecos" genannt) sind zum Teil echt gross. Es gibt nicht so viele Routen, dafuer sind die 35 m lang und 15 m ueberhaengend. Wir sind 5.10, 5.12a und 5.12c geklettert, das sind die am haeufigsten gekletterten Routen. Ein echtes Muss fuer alle die mal hier in der Naehe sind.
Tino klettert Namaste (5.12a) im Kolob-Canyon

4 Kommentare:

  1. Coole Sache! Zion fetzt. Moonlight ist bombenfest und einfach nur geil und komplett frei zu klettern, also machen!
    In ne Wand, wo im Topo schon "squeeze", "climb in back of chimney" und "looooose" steht, wär ich dort schon gar nich eingestiegen:-)
    Also dann, weiterrocken

    AntwortenLöschen
  2. OK he Hallo
    Ich bin ja nun auch in Amerika und den Uwe hab ich getroffen und wir essen jetzt lecker bei der Mama von German.
    Morgen gehts zum klettern...
    Alles klasse Supergeil.
    Ich dachte mir, ich nutz mal euer Kommentarforum als meinen Block.


    liebe Grüße
    Felix

    ach und wir:
    stehn den ganzen Tag am Gartenzaun,
    wackeln lustig mit den Augenbraun,
    dabei tun wir so als würden wir Erdbern pflücken,
    aber wir schaun heimlich Fraun...

    AntwortenLöschen
  3. Wir lesen und staunen und gruessen aus dem flachen Land. Immerhin: Nicht wie in Schmalkalden/Thueringen, wo in der Nacht zum 1.11. ein Auto und Garagenteile in einem Krater (Durchmesser 35 m, 15 tief ?)verschwanden.
    Alles Gute M + R

    AntwortenLöschen
  4. Schade, dass wir damals nichts vom Kolob Canyon wussten, das sieht ja ziemlich gut aus. Zu dem andern Quatsch fällt mir nur ein: Wir waren am Sonntag seit langer Zeit mal wieder an den Feldköpfen - da könnte man auch an einigen Stellen "loose" ins Topo schreiben...

    AntwortenLöschen