Donnerstag, 28. Oktober 2010

Grand Canyon und Zion

Schon eine Woche lang kein neuer Post, jetzt wirds aber Zeit.
Nach unserem Ruhetag in Moab sind wir wieder nach Indian Creek gefahren, weil wir da noch mindestens zwei Tage klettern wollten. Wir haben uns noch den wenig besuchten Needles-Teil des Canyonlands Nationalparks angeguckt, der ist auch echt schön. Leider war da das Wetter schon nicht so toll und in der Nacht hats uns dann richtig eingeregnet. Irgendwie haben wir immer Regen, wenn wir in Indian Creek sind. Da denkt man, man geht in der Wüste klettern und dann das... Wir haben dann nochmal den Wetterbericht für die nächsten Tage gecheckt, der war verherrend. Es wäre wirklich sinnlos gewesen, dazubleiben. Also haben wir Indian Creek schweren Herzens verlassen, sind in Richtung Süd-Westen gefahren, haben auch alle anderen Ziele auf dem Weg ausfallen lassen, denn das Regengebiet war echt groß. So mussten wir diverse hübsche Gipfel und z.B. das Monument Valley am Straßenrand vorbeiziehen lassen und sind direkt zum Grand Canyon gefahren.
Grand Canyon vom 1500m höheren Colorado Plateau

Dort sind wir am nächsten Tag auf dem Bright Angels Trail runter zum Colorado und und auf dem South Kaibab Trail wieder hoch gelaufen. Auf allen Hinweistafeln und so steht, dass man das nicht an einem Tag versuchen soll und man findet auch gar nicht ohne weiteres Infos wie weit das denn nun zum Fluss runter ist. Insgesamt sind es etwa 26 km (16 Meilen) und 3000 Höhenmeter. Wir waren am Samstag da und auch nicht allein unterwegs, offenbar ist einmal Grand Canyon runter und hoch für einige Amis die übliche Beschäftigung für einen Wochenendtag. Fürs Wandern war das Wetter perfekt, wolkig und 15°C, was will man mehr. Ich hatte allerdings das Problem, dass beim Runterlaufen irgendwie das Frühstück in meinem Bauch durcheinander geworfen wurde und ich so von Meile 3 bis 13 mit ziemlichen Bauchschmerzen zu kämpfen hatte. Ich bin eben Bergsteiger und kein Talsteiger, früh erstmal runter laufen ist nicht mein Ding, beim Hochlaufen gings meinem Bauch gleich viel besser.

Jetzt sind wir im Zion Nationalpark um einige große rote Sandsteinwände zu klettern. Allerdings hatten wir hier auch erstmal schlechtes Wetter und weil man an nassem Sandstein nicht klettern darf, sind wir zwei Tage zum Sportklettern nach St. George geflohen. Dort waren wir einen Tag am roten, löchrigen Sandstein (Chuckawalla Wall und Turtle Wall) und am zweiten Tag zwei Kilometer weiter im Basalt klettern (Black Rocks). Das war sehr nett.
12er an der Chuckawalla Wall

2km weiter: der schwarze Basalt der Black Rocks

Gestern haben wir uns mit ein paar Rissen hier auf die großen Wände eingestellt und morgen gehts dann hoffentlich richtig los. Wir haben sogar zwei coole Amis gefunden, die uns ein Seil geborgt haben, denn für viele Routen braucht man zwei Seile zum Abseilen oder zumindest für den Rückzug falls man nicht hochkommt. Die besten Routen sind allerdings echt stark frequentiert, hoffentlich stehen wir nicht im Stau.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Kontrastprogramm

Vielen Dank für die Kommentare zum letzten Post! Freut uns, dass ihr unseren Blog lest :)
Zum Thema Indian-Creek-Wunden lässt sich noch hinzufügen, dass Tinos Schlafsackinlet heute Nacht an seiner (großen) Wunde am Oberschenkel festgebacken ist und es sehr schön war, das Inlet wieder zu entfernen...

Vorgestern waren wir im Big Bend bouldern (@Jens, Felix, etc.: euer Steinbogen steht nicht mehr), da ist der gleich Sandstein wie hier überall und zur Abwechslung wurden mal die Fingerkuppen beansprucht. Schon komisch, wenn die Griffe und Tritte auf einmal nicht mehr alle vertikal und in einer Linie sind. Nachdem wir mittags erstmal schön im Colorado baden waren, lief es dann nachmittags auch ganz gut mit dem Bouldern.
Big Bend Bouldering

Gestern war dann die erste richtig anstrengende Aktion dran: wir haben erst Fine Jade am Rectory und dann North Face am Castelton Tower gemacht. Ingesamt sind das 7 Seillängen, allerdings alle ziemlich anspruchsvoll und natürlich Riss. Vor allem in der ersten Seillänge vom North Face hab ich mich ordentlich gequält, 35 m Breithand-/ Faustriss. Tino fands voll geil, ich war erstmal tot. Dann sind gestern gleich mal drei Basejumper vom Castelton Tower gehopst. So spart man sich die Stunde Abstieg...
Tino auf dem Weg zum Rectory (Fine Jade ist in der sonnigen Schmalseite)

Montag, 18. Oktober 2010

Von aufgepumpten zu aufgeschrabbelten Armen

Wir haben uns schweren Herzens von Boulder losgerissen und sind nach Rifle gefahren. Das soll das beste amerikanische Kalk-Sportklettergebiet sein. Ist auch echt ganz cool, aber nicht so die typische Kalkfelsstruktur, sondern eckig und kantig, ohne Löcher. Die Locals steigen gleich mit dem Gurt aus dem Auto. Die Felsen sind alle im Canyon in dem die Straße langgeht, also hat man 5 bis 15 m Zustieg. Allerdings ist das Klettern total anstrengend, zumindest wenn man vorher im senkrechten Granit unterwegs war. Nachdem wir uns am ersten Tag eingewöhnt hatten, lief es eigentlich gut, allerdings war ich am zweiten Tag so platt, dass ich schon die Aufwärmrouten nicht mehr hochgekommen bin. Tino ging es zum Glück besser, 5.12b lief zumindest gut. Cool war auch, dass wir Lynn Hill getroffen haben, die da 5.13d projektiert hat. Wir haben mit ihr über genmodifizierte Lebensmittel gequatscht.
Lynn Hill in "Living in fear" 5.13d
Nach zwei Tagen Rifle brauchten wir defintiv einen Ruhetag, außerdem waren die Nächte immer deutlich unter Null Grad, das war nicht so toll mit unseren Sommerschlafsäcken, die für +7 Grad ausgelegt sind. Also sind wir weitergefahren, Richtung Moab. Unterwegs haben wir das Independence Monument im Colorado National Monument bestiegen, das erste richtige Urlaubshighlight und eine echte Empfehlung. Das ist ein superschöner Gipfel und es gibt eine gute Route für Ruhetage, 4 Seillängen maximal 5.8, eine Stunde Zustieg. Früher ging da mal eine Leiter hoch und die Löcher von deren Befestigung sind jetzt richtige Henkel :)
Lisa auf dem Weg zum Independence Monument

Danach gings weiter, an Moab vorbei nach Indian Creek. Getreu Tinos Motto "No Riss, no fun" haben wir uns zwei Tage lang Risse aller Größen (bis hin zum offwidth) hochgeschlatzt. Die Amis fanden uns immer lustig, weil wir mit unserem einen Satz komischer Cams, einem Seil und einer uralten Kletterführerkopie ankamen, folglich immer Ausrüstung und Führer borgen mussten und ihnen am Ende doch erstaunlich schwere Topropes eingehängt haben. Jetzt sind wir allerdings ganzkörperaufgeschrabbelt, der Sandstein ist echt fies. Tino meint, die Wunden sind so, wie wenn man in der Turnhalle übers Parkett schleift. Darum sitzen wir jetzt in Moab im Café und entspannen bevor wir uns gleich einen leckeren Burger reinziehen.
Tino in "Scarface" 5.11-

Lisa

Montag, 11. Oktober 2010

Hard movers

Wir waren jetzt noch zwei Tage hier bei Boulder klettern, es gefällt uns sooo gut. Granitsportklettern. Außerdem haben wir uns am regnerischen Ruhetag noch den Eldorado Canyon angeguckt, da kann man natürlich auch klettern, allerdings vor allem ziemlich gruselig selbstabzusichern.

Wasserfall im Eldorado Canyon

Viel spannender ist aber, dass wir hier bei Jackie und Chris heimisch geworden sind. Die sind super. Und hier im Haus waren offenbar schon richtig viele fitte Kletterer. Das ist auch kein Wunder, denn Chris bouldert 8b+ und wird von Black Diamond und Five Ten gesponsert (Tino hat gerade 2 Paar seiner alten Schuhe abgestaubt), Jackie hat mir heute beim Frühstück erzählt, dass sie so V 11 bouldert und Sam Elias ist einer der besten Ami-Sportkletterer (und der Freund von Emily Harrington).  Jetzt durften wir uns gerade an einem Türrahmen verewigen, wo der "Affenfaktor" von allen Kletterern die hier waren angemalt wird. D.h. Körpergröße und Armspanne werden gekennzeichnet und unsere Striche sind da jetzt zwischen Tommy Caldwell, Paul Robinson,... verteilt. Tinos Affenfaktor ist übrigens echt ordentlich.
Heute waren Jackie und Chris mit uns klettern und waren von der 5.11b-warm-up-Platte, die wir vorher gemacht hatten, voll schockiert :) Die manteln auf der Reibung an irgendwelchen Knubbeln... Außerdem haben wir gelernt, welche Five-Ten-Sohle bei welchen Temperaturen perfekt ist und dass Chris die Lapis-Griffbürsten etwas blöd findet, weil die immer so schnell abbrechen (ist mir noch nicht passiert).
Jackie auf der 5.11b Platte

Sehr lustig und wahrscheinlich gar nicht gut fürs Klettern  war das Backen und Braten diverser deutscher und amerikanischer Leckereien in den letzten Tagen. Es begann damit, dass wir uns quasi für die Gastfreundschaft bedanken wollten und deshalb Kartoffelpuffer für alle gemacht haben. Am nächsten Morgen haben Jackie und Chris mit French Toast gekontert, dazu ditscht man Toastscheiben in einen Eier-Milch-Mix, brät sie in der Pfanne und macht dann Honig, Ahornsirup und Früchte drauf. Typisch amerikanisches Frühstück. Weil wir nun einmal dabei waren und es eh unser Ruhetag war, haben wir gleich noch einen Apfel-Streusel-Kuchen gebacken, der uns auch echt gut gelungen ist. Gestern abend gab es dann extrem leckere Brownies von Jackie,  warm direkt aus dem Ofen und mit Eis dazu, voll die Bombe. Und heute früh zum Abschied noch Pancakes von Chris. Wir fahren jetzt nämlich weiter nach Rifle, weil das Wetter in Boulder über Nacht richtig schlecht geworden ist. In den Rocky Mountains liegt überall Schnee, das sieht man hier aus dem Fenster.
Jackie und Chris genießen unseren Apfel-Streusel-Kuchen

Freitag, 8. Oktober 2010

Es geht schon mal gut los

So, da ist er, unser Blog. Der Blogname war übrigens Jackies Idee, wir hängen hier gerade bei ihr in Boulder auf dem Sofa ab. Aber von vorn: Wir sind am Dienstag (05.10.) von Berlin nach Denver geflogen, mussten ewig an der Einreise-inspection warten und unser Essen durch die extra no-food-inspection schmuggeln.

Dann wurden wir zum Glück von Barny abgeholt, bei dem wir die erste Nacht pennen durften. Er, seine Frau Marion und das Haus der beiden sind so amerikanisch wie etwas amerikanisch sein kann. Wir hatten echt einen entspannten und supernetten Start in den Urlaub. Natürlich wurden wir am nächsten Tag auch noch nach Boulder gefahren, wo wir unseren tollen hellblauen Van trafen. In dem Haus vor dem der Van die letzten 6 Wochen auf uns gewartet hat, wohnen Jackie, Chris, Jason (der kauft uns den Van dann wieder ab) und Sam (ist gerade nicht da). Und weil wir nun einmal da waren, sind wir auch gleich noch geblieben und hängen jetzt hier auf dem Sofa ab. Wir wohnen also im Van vor dem Haus und nutzen hier Bad und Küche von Leuten, die uns überhaupt nicht kennen, aber total cool und nett sind. Jetzt waren wir schon zwei Tage klettern, im Clear Creek und im Boulder Canyon. Boulder ist einfach von tollen Granitklettergebieten umringt. Tino hat sich heute gleich mal drei Finger an der Seite voll aufgerissen (beim Seil abziehen), aber das ist ja nix neues. Wir werden also noch ein paar Tage hier und in Rifle Sportklettern, bis Tino seine Finger wieder in einen Fingerriss stecken kann und wir nach Indian Creek fahren. Fotos folgen dann hoffentlich beim nächsten Blogeintrag... Also bis bald, über Kommentare freuen wir uns :)
LiTi