Mittwoch, 26. Januar 2011

Tasmanien

Nach zwei weiteren richtig schönen Klettertagen in Arapiles waren die Grampians immer noch zu, also mussten wir unseren Plan ändern. Was wir eigentlich als Alternative gedacht hatten falls es zu heiß ist, wurde nun zur Flucht vor dem Wasser: wir sind nach Tasmanien gefahren. Das war auf jeden Fall eine super Idee, uns gefällts hier gut.

Vorher sind wir aber noch die Great Ocean Road langgefahren, das ist ja das touristische Must-have. Die Küste ist wirklich richtig schön, aber vor allem an den 12 Aposteln sind eindeutig zu viele Japaner-Reisegruppen unterwegs. Auf der Stichstraße zum Otway-Leuchtturm haben auf einmal alle Autos angehalten - in den Bäumen saßen überall Koalas, total lustig (der Leuchtturm ist übrigens sinnlos…).
London Bridge (Great Ocean Road)

Koalas mal nicht im Zoo (selten)

Auf Tassy waren wir zwei Tage in Ben Lomond klettern, da gibt es solche sechseckigen Doloritsäulen, an so was wollten wir schon immer mal klettern. Die Umgebung und die Kletterei sind ziemlich alpin, man hat eine Stunde Zustieg über ein nerviges Blockfeld aus umgefallenen Säulen. Dafür hat man dann geniale Risskletterei am superrauen Fels. Die 100 bis zu 150 m langen Routen enden alle auf einem  Plateau, von dem es eigentlich mal eine Abseilpiste gab, die leider von einem Traditionalisten entfernt wurde. Zum Glück waren bei uns einige andere Kletterer da und so wurde für zwei Tage ein Abseilseil eingerichtet. Die anderen waren alles sehr lustige und nette Australier, wir hatten echt viel Spaß. Einer stellte dann fest, dass es eigentlich ziemlich sinnlos ist, dass es hier ein kilometerlanges Cliff gibt und sich alle Kletterer auf zehn Metern drängeln…
Lisa im Ben Lomond Dolorit

Die letzten beiden Tage waren perfekt, wir waren erst am Moai, der ist 25 m hoch und steht auf der Spitze von einem Felsplateau im Wasser und es gibt echt nette Routen daran. Und gestern das Highlight: wir waren auf dem Totem Pole! Ein 70 m Turm mit 4 m Kantenlänge mitten im Wasser, was will man mehr. Die zwei Stunden Bushwalk hin nimmt man da gern in Kauf, dann seilt man 60 m ab und muss irgendwie zum Fels rüber kommen. Bei Ebbe und wenig Wellen könnte man über die Blöcke hopsen, bei uns hätte man da aber sehr nasse Füße bekommen. Also ist Tino von der hintersten Ecke des Absatzes am Massiv losgerannt und mit Schwung zum Totem Pole rübergependelt. Der Rest ging auch gut, die Route ist sehr schön, für 24 aber nicht einfach. Mittlerweile sind alle Carrots durch Bohrhaken ersetzt, man muss also nicht mehr den ganzen Chalkbag voller Bolthanger haben. Zum Schluss baut man einfach eine Seilbahn zum Massiv und fährt rüber, mit tollem Blick nach unten.  Auf dem Rückweg haben wir sogar noch einen Delfinschwarm gesehen.
Tino am Moai

Lisa bei der Seilbahn vom Totem Pole zurueck zum Festland (leider sieht man nur die Haelfte vom Gipfel)

Sonntag, 16. Januar 2011

Arapiles

Lisa klettert Kachoong 21

Tino in Have an nice Flight 25
Nach einem weiteren Unwetter waren die Wolken auf einmal weg und wir hatten jetzt drei Tage gutes Wetter. Für australische Verhältnisse sind die Temperaturen sehr angenehm.
Zum Klettern am Mount Arapiles gibt es ja unterschiedliche Meinungen, einige halten es für das beste Klettergebiet der Welt, andere finden es nicht so toll. Das Gebiet sieht erstmal ganz cool aus, der Zeltplatz ist hübsch und man kann von da zu allen Sektoren laufen, das ist super. Außerdem hopsen überall Kängurus rum. Die Kletterei ist oft etwas scary, weil fast alles selbstabzusichern und der Fels ziemlich glatt ist. Auch was im Kletterführer als Sportkletterroute drinsteht hat manchmal ganz ordentliche Hakenabstände. Insgesamt hat es uns aber schon gut gefallen, es gibt echt ein paar tolle Linien und die Felsstruktur fetzt.

Von oben kann man super über das komplett flache Land ringsrum gucken, wo im Moment eine tolle Fluss- und Seenlandschaft ist, alle Felder und Wiesen sind überflutet. Weiter weg sieht man außerdem die Grampians und orange leuchtend sogar die Taipan Wall, da müssen wir unbedingt noch hin, das ist nur gerade nicht so einfach. Und weil immer noch Bäche über den Campingplatz flossen haben wir uns auch getraut, abends Lagerfeuer zu machen. Dann haben wir uns zu viert (mit Franz und Flo) schön in den Qualm gesetzt und uns gefreut, dass da endlich mal keine Mücken waren. Tinos Rekord im Mücken-mit-einer-Hand-erschlagen liegt übrigens bei fünf auf einen Streich.

Wir fragen uns auch, wo eigentlich alle Kletterer hin sind, das ging schon in Neuseeland los - wenig los in Paynes Ford, gar nix los in Castle Hill (maximal 2 andere Boulderer, ich dachte da ist immer Party im Shelter?) und in Arapiles sind wohl normalerweise auch dreimal so viele Leute. Die einzigen die wir noch getroffen haben, sind zwei Adersbacher, mit denen wir vor zwei Jahren im Camp 4 ein Campsite hatten. Die australischen Kletterer schaufeln wahrscheinlich gerade Sandsäcke oder fahren Boot.

Im Moment überlegen was wir in den nächsten Tagen machen, denn der Grampians Nationalpark ist komplett geschlossen, von der Nothern Grampians Road fehlen z. B. einfach mal 120 m. Hier in Horsham wird für heute abend oder morgen Hochwasser erwartet, wie es nur einmal in 200 Jahren vorkommt. Der Hubschrauber kreist schon über der mit Sandsäcken gefüllten Innenstadt mit Notstromaggregat vorm Rathaus.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Australien - anders als erwartet

Nach der Ankunft in Sydney war erst einmal Autokaufen angesagt. Gerade ist zwar eine blöde Zeit dafür, weil viele Backpacker um Weihnachten herum ein Auto kaufen und nun der Markt leer ist, aber wir haben doch eins bekommen:

Unser „Brownie“ ist ein Holden Camira ´83. Man kann gut drin schlafen, er war sehr günstig,  fährt für sein Alter aber super und wird das hoffentlich auch noch ne Weile tun, denn in Australien ist echt gerade Ausnahmezustand. Aber dazu später…
unser "Brownie"

Über Freunde haben wir erfahren, dass Colin (der schon 3 Jahre in Dresden gewohnt hat, aber Australier ist) in Sydney wohnt. Also haben wir ihn besucht und haben von ihm eine Menge nützliche Sachen zum „Überleben“ in Australien bekommen. Außerdem hat er uns gesagt, dass Mathias Reinfried mit Sandra und Kind in den Blue Mountains ist. Also ab in die Blue Mountains. Und ab da beginnt das Desaster, das wohl noch eine Weile anhalten wird.

In Australien ist nämlich gerade einer von 20 Sommern in denen es NUR regnet. Colin meinte es regnet seit August. Wer die Nachrichten verfolgt hat, weiß das in Queensland Land unter ist. Aber auch andererorts ist es nicht besser. Wir haben in den 2 Tagen Blue Mountains nicht eine Stunde weiter als 100m gucken können und Klettern geht da natürlich auch nur bedingt. Also haben wir uns gedacht, fahren wir mal schnell die 1200 km in die Grampians und zum Mt. Arapiles. Das ging auch erst noch ganz gut bei nur Nieselregen, aber irgendwann war dann das erste Wasser auf der Straße und etwas später war die ganze Straße überflutet. Folge: 200 km Umweg. Am Abend sind wir endlich in Horsham unweit der Grampians angekommen, haben Flo und Franz (die beiden Österreicher, die wir auf Fiji und in Neuseeland getroffen haben) getroffen und sind in die Grampians gefahren. Das war der nächste Fehler! Über Nacht hat es 140mm geregnet (Vergleich Berlin: Jahresniederschlagsmenge = 500mm). D.h. wieder alles überflutet. Wir sind gerade so wieder rausgekommen, 2 von 3 Zufahrtsstraßen waren gesperrt und auf der Dritten sind wir im Matsch stecken geblieben. Erst der Parkranger konnte uns mit seinem Jeep befreien. Also wieder nach Horsham und eigentlich über Natimuk zum Mt. Arapiles. Leider war die Straße durch Natimuk gesperrt, weil das halbe Dorf unter Wasser stand. Das konnte man heute in vielen Zeitungen lesen. Gut, also sind wir über kleine Straßen 50 statt 9km zum Mt. Arapiles gefahren. Dort war gerade mal richtig Sonne und wir konnten noch 3 Routen klettern. Der Abend war allerdings wieder eine Katastrophe, aber nicht wegen dem Wetter sondern wegen den tausenden Mücken. Da hilft auch kein Mückenspray mehr, wenn man nicht atmen kann ohne eine Mücke einzuatmen.
Heute früh Regen und ein Ranger, der uns empfiehlt den Camping zu verlassen, weil noch mal 150mm Niederschlag an einem Tag erwartet werden. Erst wollten wir trotzdem da bleiben, aber dann haben uns die Mücken vertrieben. Das stinkt gewaltig und deshalb sind wir nach Horsham gefahren, um wenigsten in der Bibliothek trocken sitzen zu können.
auf der Straße?

Dafür kann man Bouldern überm Wasser


Fazit: 6 Tage Australien, davon 0 Tage ohne Regen. Der Bauch wird frustbedingt und aufgrund mangelnder Bewegung immer dicker. Mt. Arapiles ist abgesoffen und die Grampians in der nächsten Woche nicht erreichbar (weil nur Dirtroads)
So macht Urlaub kein Spaß….

Ach ich vergaß: Giftige Tiere gibt es in Australien viele. Mich hat in Sydney eine „Bluebottle“ Qualle angefallen und Lisa wurde von einem Vogel angekackt. Außerdem haben wir echt große Spinnen gesehen und diese rote, kleine, die wohl eine der gefiftigsten der Welt ist. Weiter so…

Positiv: ich konnte gestern im 2. Versuch eine tolle 25 klettern und die Hoffnung auf besseres Wetter

Freitag, 7. Januar 2011

Gesundes neues Jahr!

Nachdem wir uns aus den Wassermassen befreit hatten, haben wir auf dem Parkplatz in Te Anau ganz unromantisch Weihnachten verbracht und in der Nacht wurden wir von Orkanböen und Regen aus dem Zelt vertrieben. Nachdem wir die Westküste verlassen hatten, wurde das Wetter wenigstens wieder etwas besser. Wir sind entlang der Ostküste gefahren, haben Sightseeing betrieben (Dunedin, als schöne Stadt mit tollen Stränden und der steilsten Straße der Welt (35 %)). Außerdem noch die Moeraki Boulders, diese lustigen Steinkugeln mit bis zu 2m Durchmesser, die irgendjemand (vielleicht der Schöpfer) direkt an einem Strand der Ostküste geparkt hat. Der Versuch Pinguine durch illegales Vorbeiklettern an der Kasse zu sehen, schlug leider fehl, da die doofen Vögel noch nicht wieder an Land gekommen waren. Dann ging es weiter zu den Bouldergebieten Elephant Rock und Hulk Hogen, in denen wir uns ganz gut auf die bevorstehende Woche in Castle Hill einstellen konnten. Dort gibt es allerdings kein Internet, und in den nächsten Städten (bis 40km Entfernung) hatten fast alle Cafes und Bibliotheken bis nach Neujahr zu. Auch in den übrigen Internetmöglichkeiten war tote Hose, weil ein erneutes Erdbeben in Christchurch das Internet lahmgelegt hat.
Deshalb schreibe ich jetzt erst vom Flughafen in Christchurch, nachdem ich die Sprengstoffkontrolle (warum schon wieder ich) schwitzend überstanden habe, weil ich aus Gewichtsgründen 2 Hosen und 4 Pullover angezogen hatte.
Damit ist der Neuseelandteil unserer Reise fast abgeschlossen. Zeit für ein sehr kurzes Resumee: Neuseeland hat eine sehr abwechslungsreiche und schöne Landschaft, die oft an die Alpen erinnert. Neben vielen (etwa 50mio) Schafen und Kühen gibt es wenig Leute (4mio), die zum Großteil in der Stadt leben. Das erste Mal im Linksverkehr fahren ist ein Erlebnis, genauso wie das Wetter, was wohl bei uns nicht so toll war. Ich habe nie soviel Regen auf einmal erlebt.

Zum Sportklettern hat uns Paynes Ford am Besten gefallen, aber das Bouldergebiet um Castle Hill ist noch viel besser und da kann man auch ein paar Routen klettern. Die Kalkboulderei dort ist sehr gewöhnungsbedürftig, aber ziemlich faszinieren, wenn man es einmal bisschen raus hat. Viele Boulder sind nicht so überhängend, dafür wartet oft ein gemeiner Abschlussmantle auf einen, bei denen man versucht ohne jegliche Griffe irgendwie auf den Boulder zu kommen. Da kann man dann von oben lustig, verkrampfte Fotos machen. Lisa hat ihr Ziel erreicht. Am letzten Tag gelang ihr eine V6 mit vielen Knieklemmern. Und ich habe mein Ziel etwas verfehlt, aber dafür manteln geübt. Ich muss also noch mal wiederkommen.
Stemmen, Pressen , Drücken - typisch Castle Hill (V2)

Nette, exponierte V3

V4 Mantle können verdammt schwer sein

Lisas V6 in letzter Sekunde

Ab nach Australien…