Dienstag, 22. Februar 2011

Zurück Richtung Sydney - über Mt. Buffalo, Nowra, Point Perp

Liegt ein U-Boot auf der Wiese, weit weg vom Meer
Da der Großteil der Grampians immer noch zu war, weil einfach die Straßen nicht mehr vorhanden sind, mussten wir so coole Sektoren wie z. B. die Gallery auslassen und haben uns also auf den langen Rückweg Richtung Sydney begeben. Unterwegs hat sich erstmal einer unserer Reifen aufgelöst, bei Tino ähnelte das Reifenwechseln aber einem Boxenstopp in der Formel 1, ich war echt verblüfft und es ging schnell weiter. Erster Zwischenstopp war der Mt. Buffalo, das ist ein kleiner Nationalpark mit einem Hochplateau, auf dem bekletterbare Granithaufen rumliegen, außerdem kann man auch am Rand des Plateaus bis zu 300 m lange Routen klettern. Die Reibungskletterei ist echt super. Grobkörniger, gleichmäßig bebuckelter Granit, auf dem man die größten Buckel sucht, um sich draufzustellen. Ein bisschen nervig ist, dass fast alles nur mit Carrots abgesichert ist. Das ist eine australische Spezialität und bedeutet, dass statt normaler Bohrhaken nur Schrauben (M10) vorhanden sind, über die man dann noch ein Boltplate („Lasche“) drüberhängen muss, bevor man eine Exe einhängen kann. Man hat diese Boltplates im Chalkbag, um sie benutzen zu können (man kann sie ja nicht erst vom Karabiner abfummeln), also kommt man nicht so richtig an sein Chalk ran. Außerdem sieht man die Routen nicht, weil gerade auf dem Granit diese Schraubenköpfe überhaupt nicht zu sehen sind, also klettert man gern mal vorbei.   
100 m Reibungskletterei an der Cathedral am Mt. Buffalo

Vom Mt. Buffalo sind wir an einem Tag etwa 600 km östlich nach Nowra gefahren. Da soll das beste Sportklettergebiet Australiens sein und nach dem Platten- und Abenteuerklettern war das mal ne gute Abwechslung. Das Gebiet liegt an einem Fluss mit einem schönen Campingplatz. Wenn man dort Gast ist, kann man kostenlos die Kanus nutzen und auf die andere Flussseite paddeln, um zu den coolen Sektoren zu gelangen. Die Klettereien sind wirklich gut. Man kann wählen ob 7 oder 30m Route, ob Platte oder waagerechtes Dach. Kurz: es lohnt sich, da mal vorbeizuschauen.

Um nach 2 Tagen wieder ein bisschen Action zu haben, braucht man nur an die Küste zum Klettergebiet Point Perpendicular zu fahren. Das beginnt damit, dass man in ein militärisches Sperrgebiet fahren muss. Wenn man Pech hat, ist es gerade gesperrt, weil Bombenabwurfübung oder ähnliches stattfindet. Wenn man dann erst mal drin ist, kann man an Sandsteinwänden klettern, die direkt am Meer sind. Das bedeutet, zum Einstieg abseilen und hoffentlich wieder hochklettern. Das ist echt cool und die Routen richtig gut, man kann wieder wählen, ob man nur Haken klippt oder doch noch Keile etc. mitnehmen will.
Klettern mit Ausblick am Point Perpendicular


Bombenabwurfübungsplatz Point Perpendicular

Nach 2 Tagen mussten wir auch hier wieder los, da in Sydney jemand unser Auto kaufen und es sich erst mal angucken wollte. Also sind wir nach Sydney gefahren und haben unser Auto verkauft. Coole Sache. Vor allem können wir es jetzt noch ne Woche behalten und in den Blue Mountains klettern gehen.
Den nächsten Tag haben wir in Sydney bei Colin und seiner Familie verbracht und ausnahmsweise mal was nützliches gemacht. Wir haben fast den ganzen Tag gearbeitet, weil Colin den Dachboden ausbaut und Hilfe gut gebrauchen konnte. Abends gabs dafür ein schönes Kängurusteak. Echt gutes Fleisch.
harte Arbeit am Ruhetag in Sydney
 Apropos Känguru. Ich wollte noch mal was über die Tierchen in Australien schreiben. Wir haben es jetzt endlich geschafft alle Tiere zu sehen, die wir sehen wollten. Känguru, Koala, Echidna und die vielen bunten Vögel haben wir schon mal erwähnt. In den Grampians haben wir unseren ersten Emu gesehen und viele weiße Riesenpapageien, die übelst Krach machen. Naja, das letzte Tier das wir sehen wollten, war ein Wombat. In Nowra auf dem Campingplatz läuft in der Dämmerung auf einmal ein schweineähnliches Etwas über den Weg und frisst Gras. Da war unser erstes Wombat. Allerdings sehen die nicht wie Schweine aus sondern viel besser. Echt witzige Tierchen. Nun zu den Tieren, die man nicht sehen will: Weißer Hai und Krokodil haben wir zum Glück noch nicht gesehen. Dafür bin ich am Point Perpendicular fast über eine Schlange gestolpert. Wie mir Colin später erzählte, war da die 4. giftigste der Welt. Aber das man die trifft sei kein Wunder, es leben wohl 19 der 20 giftigsten Schlangen der Welt in Australien. Und dann hat uns Colin echt gruselige Geschichten erzählt. Giftige Spinnen schocken uns ja jetzt schon nicht mehr so sehr, auch Lisa kommt mittlerweile besser mit Spinnen klar (vor allem wenn ich sie wegmache). Die giftigste Spinne der Welt ist die Sydney Funnel-web spider und die wohnt zum Beispiel bei Colin im Garten. Und wahrscheinlich überall in Sydney. Die Trichternetze der anderen Funnel-web-spider-Arten sieht man ständig beim Klettern und ist dann immer bemüht, nicht ganz so tief in irgendwelche Löcher zu greifen. Ich wurde beim Klettern echt mal von einer Spinne attackiert, die kam an und wollte beißen. Zum Glück war ich im Toprope und konnte einfach loslassen. Die gruseligste Geschichte von Colin: Er hat beim Klettern aus einem Untergriff weit hoch in ein Band gefasst und dachte sich dann „That´s not rock“. Also Zug wieder zurück und außenrum geklettert, bis er dann von oben auf das Band gucken konnte und die fette Schlange sah, auf die er direkt drauf gefasst hatte.

Donnerstag, 10. Februar 2011

Grampians,...

… doch beginnen sollten wir bei Melbourne. Direkt von der Fähre aus Tasmanien sind wir in den Aldi gefahren (ja den gibt’s hier auch und er hat auch hier mit die günstigsten Lebensmittel). Als wir gerade den Einkauf beendet hatten, wurden draußen alle Leute etwas hektisch. Wie sollte es anders sein, der Regen hat uns mal wieder eingeholt, nur bis Tassie war er nicht gekommen. Draußen hat es so geregnet, dass in 5 Minuten die komplette Straße unter Wasser stand (Bild).
Das erinnerte uns irgendwie an das Hochwasser in Dresden 2003, wo auch diverse Autos geflutet waren. Unser Brownie hat es ganz gut überstanden, das Wasser ging nur bis zur Stoßstange. Naja, es hat dann auch noch die ganze Nacht geregnet, das bedeutet in 12 Stunden etwa ein Sechstel des Jahresniederschlags von Dresden.

Im Internet haben wir dann auch noch gelesen, das die Grampians aufgrund der erneuten erwarteten Niederschläge vorsorglich gesperrt sind. Deshalb haben wir ein Tag mit Sightseeing in Melbourne verbracht, was auch echt cool ist. Es gibt ein kostenloses Touristen-Shuttle mit dem man durch die Stadt gefahren wird und die wichtigsten Sachen sieht. Das ist echt entspannt, wenn man mal nicht mit dem Auto in ner Großstadt unterwegs ist. Melbourne ist zudem echt schön. Es gibt viele Grünanlagen, wie den Royal Botanic Garden, der allerdings aufgrund der heftigen Regenfälle zum Teil geflutet war.
Lisa im Kräutergarten des Botanic Gardens
Interessant war es trotzdem, weil es Pflanzen aus aller Welt zu besichtigen gibt und viele seltene Vögel und Tierchen. Lustig ist es, wenn die Aale auf der nassen Wiese rumzappeln.
Nach dem Botanic Garden sind wir zum Queen Victoria Markt gefahren. Ein riesiger Markt, wo es alles zu kaufen gibt. Nachmittags haben wir uns dann noch den Hafen und die Innenstadt angeguckt. Sehr interessant, weil die Architektur sehr abwechslungsreich ist. Neben einem Haus von aus dem 19. Jahrhundert steht eben einfach mal ein Hochhaus von gestern.
Noch am selben Tag sind wir in die Grampians gefahren, hier hatte es offenbar gar nicht geregnet. Wir sind wieder auf den Mt. Stapylton Campingplatz gefahren. Der ist ziemlich cool: Neben den vielen Kängurus gibt es Emus und weiße Riesenpapageien, die zu hunderten in einem Baum am Ende des Campings nächtigen. Leider machen die früh so einen Lärm, dass man ab halb sieben nicht mehr schlafen kann. Das hat mich allerdings nur wenig gestört, da man sowieso zeitig aufstehen muss, wenn man an der Taipan Wall klettern will. Außerdem hat der Campingplatz viele Mücken zu bieten, die in unerträglicher Zahl ab Einbruch der Dämmerung vorhanden sind. Ziemlich cool ist dafür die „Buschdusche“, bei der man 12 Liter aus dem Regenwassertank in einen Eimer kippt, der unten einen Duschkopf dran hat. Damit kann man erstaunlich lange duschen.
Nun kurz zum Klettern. Da in den Grampians derzeit nur der Nordteil zugänglich ist, waren wir fast ausschließlich am Mount Stapylton klettern und dabei vorrangig an der Taipan Wall.
Taipan Wall im Abendlicht
Jeder der diese Wand und ihre Ausrichtung (nordwestlich) kennt, kann sich vorstellen, dass es sehr ungewöhnlich ist, wenn man im australischen Hochsommer beim Sichern 2 Jacken und Handschuhe anhat. An den ersten Tagen war es echt kalt bis nachmittags die Sonne den Fels enorm aufwärmt. Wir haben eine Menge von den klassischen Routen geklettert. Am ersten Tag haben wir uns versehentlich mit der falschen Route aufgewärmt und ich war echt frustriert wie schwer 21 sein kann, bevor der Local um die Ecke kam und mir erzählte, dass ich gerade ne 26 geklettert bin. Bei mir lief es echt ganz gut und ich habe mich schnell an die runden Griffe und weiten Züge gewöhnt. Lisa konnte auch am zweiten Tag  „Invisible Fist“ (die „Aufwärmroute“ vom Vortag) Rotpunkt klettern. Generell ist die Taipan Wall ziemlich beeindruckend. Eine mehr als 100m lange, überhängende, glatte Wand. Viele der 1-3 Seillängen Routen sind dementsprechend eher schwer und man braucht ganz schön Ausdauer. In den leichteren Routen gibt es teilweise nur 1-2 Bohrhaken auf 50m. Andere Routen sind gut mit Bohrhaken abgesichert.
Beim Rotpunkten von Mr. Joshua (25)

Wenn die Sonne nachmittags in die Wand kommt, kann man eigentlich woanders hingehen, denn es gibt in der Nähe noch ein paar schöne Wände mit guten Routen (Wall of Fools und Sandinista Wall). Seit wir angekommen sind ist es jeden Tag wärmer geworden. Gestern hatten wir schon 33°C, da hat es diese Nacht gleich mal durchgeregnet.

Samstag, 5. Februar 2011

Tschüssi Tassie


Heute gibt’s mal nen langen Blog, denn ich hab viiiiel Zeit. Wir fahren neun Stunden mit der Fähre zurück aufs Mainland. Die Tagfähre ist günstiger, weil man nachts eine Unterkunft, also eine Kabine oder so nehmen muss. Es gibt nur die eine Fährgesellschaft und entsprechend sind die Preise. Naja, jedenfalls sitzen wir jetzt hier rum, versuchen sinnvolle Sachen zu tun und Tino näht seine Kletterhose, wobei er feststellte, dass es bei Wellengang nicht so einfach ist, den Faden in die Nadel einzufädeln. In den Nachrichten sehen wir, was schon wieder in Queensland los ist, gut dass wir da nicht hinwollen. Tino ist gerade traurig, dass er den ersten Film im Fährkino verpasst hat: Kung Fu Panda. Vielleicht kann er sich mit dem Comic-Tier-Malkurs ablenken.

Unsere zweite Woche auf Tasmanien war noch mal super, auch wenn der Totem Pole natürlich nicht zu toppen ist. Tasmanien ist ganz anders als der Rest von Australien, eigentlich ist es eher wie Neuseeland: angenehme Größe, aber größer als man erst denkt, alles ist grün, hügelig, die Städte sind nicht zu groß,…

Wir haben uns am Ruhetag mit meiner Cousine Anita die größte Stadt der Insel,  Hobart, angeguckt und waren am nächsten Tag direkt über der Stadt am Mt. Wellington an den Organ Pipes klettern. Hobart ist direkt am Meer, aber auf der anderen Seite der Stadt steht einfach mal einen 1270 m hoher Berg. Samstagfrüh waren da total viele Radfahrer unterwegs. Auf nur 20 km Strecke vom Stadtzentrum zum Gipfel kann man gut Höhenmeter machen. Die Organ Pipes sind wieder so cool aussehende Doleritsäulen wie in Ben Lomond, aber mit mehr Struktur, wodurch es auch Wandkletterei gibt. Es gibt richtig tolle 60m lange Sportkletterrouten, in denen mal alle unsere Exen zum Einsatz kamen.

Dann gings weiter zur Freycinet Peninsula, wo wir erstmal zur Wineglass Bay gewandert sind. Das soll einer der 10 schönsten Strände der Welt sein und er ist auch echt hübsch, allerdings nicht so strahlend weiß wie auf allen Werbefotos, da wird wohl immer der ganze Seetang und so rausretuschiert. Wir waren an der White Water Wall klettern, der Name ist Programm, denn das Meer geht voll ab. Man klettert schöne Trad-Routen an der Steilküste, zur Abwechslung mal am Granit und rungsen die Wellen gegen den Fels. Man steht halt unten immer auf einem Felsplateau knapp über dem Wasser und wird hoffentlich nicht nass, obwohl es manchmal schon ziemlich beängstigend ist, wenn da so richtig große Wellen angerollt kommen.  Einmal hatte mich Tino gerade ein paar Meter nachgeholt, als mein Sicherungsplatz unten komplett eingeweicht wurde.

Fünf Minuten von der White Water Wall gibt’s auch einen superschönen Zeltplatz, der leider nur über einen 4-Wheel-Drive-Track zu erreichen ist. Allrad braucht man zwar eigentlich nicht, es ist mehr eine Frage der Bodenfreiheit und unser Brownie hätte das wahrscheinlich schon irgendwie geschafft, aber wir wollten ihn nicht schrotten und es war Regen angesagt, also haben wir lieber draußen geparkt und gepennt und sind zum Klettern die 2,5 km gelaufen. Lieber uns schinden als das Auto J

Am nächsten Tag waren wir in einem der wenigen Sportklettersektoren, in der Star Factory. Wir haben uns da nicht gerade mit Ruhm bekleckert, hatten aber einen guten Klettertag mal wieder in toller Umgebung. Von der Wand gehen geneigte Felsplatten direkt bis ins 70 m  weiter unten gelegene Meer, wenn man ausrutscht ist man weg. Der Fels ist oranger Granit und es gibt total viele schwere Routen. Unsere 23 zum Aufwärmen war auch richtig super und rau, bei den anderen Routen war der Fels zum Teil wie poliert (aber nicht vom vielen Klettern, sondern einfach so) und es war auch mal wieder alles viel zu hart eingestuft.

Am Ruhetag sind wir am Bare Rock eine supertolle Dreiseillängentour geklettert, Sapphire Rose 22. Als wir am Parkplatz standen war noch pralle Sonne und wir dachten, dass wir in der schwarzen, nördlich ausgerichteten Wand (Norden ist hier die Sonnenseite) voll gebraten werden, aber pünktlich am Einstieg kamen auf einmal Wolken und wir hatten perfekte Bedingungen. Tasmanien war vom Wetter (und auch sonst) eh super. Die Route ist komplett geboltet, beste Leistenkletterei und 100 m lang gleich bleibend schwer. Und weil ich immer fein alle Tradrouten nachsteige, durfte ich jetzt mal alle Seillängen vorsteigen. Yeah.

Zum Abschluss waren wir noch zwei Tage in Hillwood klettern, dass ist eines der wenigen Sportklettergebiete auf Tassie. Es ist ein bisschen wie im Frankenjura, kleine grüne Wände im Wald. Man wundert sich dass das Gebiet überhaupt mal entdeckt wurde. Aber die Kletterei ist voll cool und es macht echt Spaß. Es sind liegende Doleritsäulen mit kleinen Festkrallleisten oder großen abschüssigen Sloperleisten (also nicht wie in Franken).

Das wars also mit Tasmanien, uns hats richtig gut gefallen, alles hat gepasst. Wir haben auch festgestellt, dass es viele Picknick-Areas mit einem Barbeque gibt, da drückt man unten auf einen Knopf und dann wird oben die Platte heiß und man kann drauf grillen. Die Dinger sind meistens schön sauber, so wie alle öffentlichen Einrichtungen hier. Wir haben sogar mal in einem Kaff einen kostenlosen Campingplatz mit warmen Duschen gefunden. Duschen ist immer ein Event, weil es so selten vorkommt und so waren wir echt glücklich.

Übrigens kann man auf Tassie kostenlos Bibliotheksmitglied werden und dann den neuesten Kletterführer ausleihen. Ach, es war einfach alles perfekt….