Heute gibt’s mal nen langen Blog, denn ich hab viiiiel Zeit. Wir fahren neun Stunden mit der Fähre zurück aufs Mainland. Die Tagfähre ist günstiger, weil man nachts eine Unterkunft, also eine Kabine oder so nehmen muss. Es gibt nur die eine Fährgesellschaft und entsprechend sind die Preise. Naja, jedenfalls sitzen wir jetzt hier rum, versuchen sinnvolle Sachen zu tun und Tino näht seine Kletterhose, wobei er feststellte, dass es bei Wellengang nicht so einfach ist, den Faden in die Nadel einzufädeln. In den Nachrichten sehen wir, was schon wieder in Queensland los ist, gut dass wir da nicht hinwollen. Tino ist gerade traurig, dass er den ersten Film im Fährkino verpasst hat: Kung Fu Panda. Vielleicht kann er sich mit dem Comic-Tier-Malkurs ablenken.
Unsere zweite Woche auf Tasmanien war noch mal super, auch wenn der Totem Pole natürlich nicht zu toppen ist. Tasmanien ist ganz anders als der Rest von Australien, eigentlich ist es eher wie Neuseeland: angenehme Größe, aber größer als man erst denkt, alles ist grün, hügelig, die Städte sind nicht zu groß,…
Wir haben uns am Ruhetag mit meiner Cousine Anita die größte Stadt der Insel, Hobart, angeguckt und waren am nächsten Tag direkt über der Stadt am Mt. Wellington an den Organ Pipes klettern. Hobart ist direkt am Meer, aber auf der anderen Seite der Stadt steht einfach mal einen 1270 m hoher Berg. Samstagfrüh waren da total viele Radfahrer unterwegs. Auf nur 20 km Strecke vom Stadtzentrum zum Gipfel kann man gut Höhenmeter machen. Die Organ Pipes sind wieder so cool aussehende Doleritsäulen wie in Ben Lomond, aber mit mehr Struktur, wodurch es auch Wandkletterei gibt. Es gibt richtig tolle 60m lange Sportkletterrouten, in denen mal alle unsere Exen zum Einsatz kamen.
Dann gings weiter zur Freycinet Peninsula, wo wir erstmal zur Wineglass Bay gewandert sind. Das soll einer der 10 schönsten Strände der Welt sein und er ist auch echt hübsch, allerdings nicht so strahlend weiß wie auf allen Werbefotos, da wird wohl immer der ganze Seetang und so rausretuschiert. Wir waren an der White Water Wall klettern, der Name ist Programm, denn das Meer geht voll ab. Man klettert schöne Trad-Routen an der Steilküste, zur Abwechslung mal am Granit und rungsen die Wellen gegen den Fels. Man steht halt unten immer auf einem Felsplateau knapp über dem Wasser und wird hoffentlich nicht nass, obwohl es manchmal schon ziemlich beängstigend ist, wenn da so richtig große Wellen angerollt kommen. Einmal hatte mich Tino gerade ein paar Meter nachgeholt, als mein Sicherungsplatz unten komplett eingeweicht wurde.
Fünf Minuten von der White Water Wall gibt’s auch einen superschönen Zeltplatz, der leider nur über einen 4-Wheel-Drive-Track zu erreichen ist. Allrad braucht man zwar eigentlich nicht, es ist mehr eine Frage der Bodenfreiheit und unser Brownie hätte das wahrscheinlich schon irgendwie geschafft, aber wir wollten ihn nicht schrotten und es war Regen angesagt, also haben wir lieber draußen geparkt und gepennt und sind zum Klettern die 2,5 km gelaufen. Lieber uns schinden als das Auto J
Am nächsten Tag waren wir in einem der wenigen Sportklettersektoren, in der Star Factory. Wir haben uns da nicht gerade mit Ruhm bekleckert, hatten aber einen guten Klettertag mal wieder in toller Umgebung. Von der Wand gehen geneigte Felsplatten direkt bis ins 70 m weiter unten gelegene Meer, wenn man ausrutscht ist man weg. Der Fels ist oranger Granit und es gibt total viele schwere Routen. Unsere 23 zum Aufwärmen war auch richtig super und rau, bei den anderen Routen war der Fels zum Teil wie poliert (aber nicht vom vielen Klettern, sondern einfach so) und es war auch mal wieder alles viel zu hart eingestuft.
Am Ruhetag sind wir am Bare Rock eine supertolle Dreiseillängentour geklettert, Sapphire Rose 22. Als wir am Parkplatz standen war noch pralle Sonne und wir dachten, dass wir in der schwarzen, nördlich ausgerichteten Wand (Norden ist hier die Sonnenseite) voll gebraten werden, aber pünktlich am Einstieg kamen auf einmal Wolken und wir hatten perfekte Bedingungen. Tasmanien war vom Wetter (und auch sonst) eh super. Die Route ist komplett geboltet, beste Leistenkletterei und 100 m lang gleich bleibend schwer. Und weil ich immer fein alle Tradrouten nachsteige, durfte ich jetzt mal alle Seillängen vorsteigen. Yeah.
Zum Abschluss waren wir noch zwei Tage in Hillwood klettern, dass ist eines der wenigen Sportklettergebiete auf Tassie. Es ist ein bisschen wie im Frankenjura, kleine grüne Wände im Wald. Man wundert sich dass das Gebiet überhaupt mal entdeckt wurde. Aber die Kletterei ist voll cool und es macht echt Spaß. Es sind liegende Doleritsäulen mit kleinen Festkrallleisten oder großen abschüssigen Sloperleisten (also nicht wie in Franken).
Das wars also mit Tasmanien, uns hats richtig gut gefallen, alles hat gepasst. Wir haben auch festgestellt, dass es viele Picknick-Areas mit einem Barbeque gibt, da drückt man unten auf einen Knopf und dann wird oben die Platte heiß und man kann drauf grillen. Die Dinger sind meistens schön sauber, so wie alle öffentlichen Einrichtungen hier. Wir haben sogar mal in einem Kaff einen kostenlosen Campingplatz mit warmen Duschen gefunden. Duschen ist immer ein Event, weil es so selten vorkommt und so waren wir echt glücklich.
Übrigens kann man auf Tassie kostenlos Bibliotheksmitglied werden und dann den neuesten Kletterführer ausleihen. Ach, es war einfach alles perfekt….






















