Dienstag, 22. Februar 2011

Zurück Richtung Sydney - über Mt. Buffalo, Nowra, Point Perp

Liegt ein U-Boot auf der Wiese, weit weg vom Meer
Da der Großteil der Grampians immer noch zu war, weil einfach die Straßen nicht mehr vorhanden sind, mussten wir so coole Sektoren wie z. B. die Gallery auslassen und haben uns also auf den langen Rückweg Richtung Sydney begeben. Unterwegs hat sich erstmal einer unserer Reifen aufgelöst, bei Tino ähnelte das Reifenwechseln aber einem Boxenstopp in der Formel 1, ich war echt verblüfft und es ging schnell weiter. Erster Zwischenstopp war der Mt. Buffalo, das ist ein kleiner Nationalpark mit einem Hochplateau, auf dem bekletterbare Granithaufen rumliegen, außerdem kann man auch am Rand des Plateaus bis zu 300 m lange Routen klettern. Die Reibungskletterei ist echt super. Grobkörniger, gleichmäßig bebuckelter Granit, auf dem man die größten Buckel sucht, um sich draufzustellen. Ein bisschen nervig ist, dass fast alles nur mit Carrots abgesichert ist. Das ist eine australische Spezialität und bedeutet, dass statt normaler Bohrhaken nur Schrauben (M10) vorhanden sind, über die man dann noch ein Boltplate („Lasche“) drüberhängen muss, bevor man eine Exe einhängen kann. Man hat diese Boltplates im Chalkbag, um sie benutzen zu können (man kann sie ja nicht erst vom Karabiner abfummeln), also kommt man nicht so richtig an sein Chalk ran. Außerdem sieht man die Routen nicht, weil gerade auf dem Granit diese Schraubenköpfe überhaupt nicht zu sehen sind, also klettert man gern mal vorbei.   
100 m Reibungskletterei an der Cathedral am Mt. Buffalo

Vom Mt. Buffalo sind wir an einem Tag etwa 600 km östlich nach Nowra gefahren. Da soll das beste Sportklettergebiet Australiens sein und nach dem Platten- und Abenteuerklettern war das mal ne gute Abwechslung. Das Gebiet liegt an einem Fluss mit einem schönen Campingplatz. Wenn man dort Gast ist, kann man kostenlos die Kanus nutzen und auf die andere Flussseite paddeln, um zu den coolen Sektoren zu gelangen. Die Klettereien sind wirklich gut. Man kann wählen ob 7 oder 30m Route, ob Platte oder waagerechtes Dach. Kurz: es lohnt sich, da mal vorbeizuschauen.

Um nach 2 Tagen wieder ein bisschen Action zu haben, braucht man nur an die Küste zum Klettergebiet Point Perpendicular zu fahren. Das beginnt damit, dass man in ein militärisches Sperrgebiet fahren muss. Wenn man Pech hat, ist es gerade gesperrt, weil Bombenabwurfübung oder ähnliches stattfindet. Wenn man dann erst mal drin ist, kann man an Sandsteinwänden klettern, die direkt am Meer sind. Das bedeutet, zum Einstieg abseilen und hoffentlich wieder hochklettern. Das ist echt cool und die Routen richtig gut, man kann wieder wählen, ob man nur Haken klippt oder doch noch Keile etc. mitnehmen will.
Klettern mit Ausblick am Point Perpendicular


Bombenabwurfübungsplatz Point Perpendicular

Nach 2 Tagen mussten wir auch hier wieder los, da in Sydney jemand unser Auto kaufen und es sich erst mal angucken wollte. Also sind wir nach Sydney gefahren und haben unser Auto verkauft. Coole Sache. Vor allem können wir es jetzt noch ne Woche behalten und in den Blue Mountains klettern gehen.
Den nächsten Tag haben wir in Sydney bei Colin und seiner Familie verbracht und ausnahmsweise mal was nützliches gemacht. Wir haben fast den ganzen Tag gearbeitet, weil Colin den Dachboden ausbaut und Hilfe gut gebrauchen konnte. Abends gabs dafür ein schönes Kängurusteak. Echt gutes Fleisch.
harte Arbeit am Ruhetag in Sydney
 Apropos Känguru. Ich wollte noch mal was über die Tierchen in Australien schreiben. Wir haben es jetzt endlich geschafft alle Tiere zu sehen, die wir sehen wollten. Känguru, Koala, Echidna und die vielen bunten Vögel haben wir schon mal erwähnt. In den Grampians haben wir unseren ersten Emu gesehen und viele weiße Riesenpapageien, die übelst Krach machen. Naja, das letzte Tier das wir sehen wollten, war ein Wombat. In Nowra auf dem Campingplatz läuft in der Dämmerung auf einmal ein schweineähnliches Etwas über den Weg und frisst Gras. Da war unser erstes Wombat. Allerdings sehen die nicht wie Schweine aus sondern viel besser. Echt witzige Tierchen. Nun zu den Tieren, die man nicht sehen will: Weißer Hai und Krokodil haben wir zum Glück noch nicht gesehen. Dafür bin ich am Point Perpendicular fast über eine Schlange gestolpert. Wie mir Colin später erzählte, war da die 4. giftigste der Welt. Aber das man die trifft sei kein Wunder, es leben wohl 19 der 20 giftigsten Schlangen der Welt in Australien. Und dann hat uns Colin echt gruselige Geschichten erzählt. Giftige Spinnen schocken uns ja jetzt schon nicht mehr so sehr, auch Lisa kommt mittlerweile besser mit Spinnen klar (vor allem wenn ich sie wegmache). Die giftigste Spinne der Welt ist die Sydney Funnel-web spider und die wohnt zum Beispiel bei Colin im Garten. Und wahrscheinlich überall in Sydney. Die Trichternetze der anderen Funnel-web-spider-Arten sieht man ständig beim Klettern und ist dann immer bemüht, nicht ganz so tief in irgendwelche Löcher zu greifen. Ich wurde beim Klettern echt mal von einer Spinne attackiert, die kam an und wollte beißen. Zum Glück war ich im Toprope und konnte einfach loslassen. Die gruseligste Geschichte von Colin: Er hat beim Klettern aus einem Untergriff weit hoch in ein Band gefasst und dachte sich dann „That´s not rock“. Also Zug wieder zurück und außenrum geklettert, bis er dann von oben auf das Band gucken konnte und die fette Schlange sah, auf die er direkt drauf gefasst hatte.

Donnerstag, 10. Februar 2011

Grampians,...

… doch beginnen sollten wir bei Melbourne. Direkt von der Fähre aus Tasmanien sind wir in den Aldi gefahren (ja den gibt’s hier auch und er hat auch hier mit die günstigsten Lebensmittel). Als wir gerade den Einkauf beendet hatten, wurden draußen alle Leute etwas hektisch. Wie sollte es anders sein, der Regen hat uns mal wieder eingeholt, nur bis Tassie war er nicht gekommen. Draußen hat es so geregnet, dass in 5 Minuten die komplette Straße unter Wasser stand (Bild).
Das erinnerte uns irgendwie an das Hochwasser in Dresden 2003, wo auch diverse Autos geflutet waren. Unser Brownie hat es ganz gut überstanden, das Wasser ging nur bis zur Stoßstange. Naja, es hat dann auch noch die ganze Nacht geregnet, das bedeutet in 12 Stunden etwa ein Sechstel des Jahresniederschlags von Dresden.

Im Internet haben wir dann auch noch gelesen, das die Grampians aufgrund der erneuten erwarteten Niederschläge vorsorglich gesperrt sind. Deshalb haben wir ein Tag mit Sightseeing in Melbourne verbracht, was auch echt cool ist. Es gibt ein kostenloses Touristen-Shuttle mit dem man durch die Stadt gefahren wird und die wichtigsten Sachen sieht. Das ist echt entspannt, wenn man mal nicht mit dem Auto in ner Großstadt unterwegs ist. Melbourne ist zudem echt schön. Es gibt viele Grünanlagen, wie den Royal Botanic Garden, der allerdings aufgrund der heftigen Regenfälle zum Teil geflutet war.
Lisa im Kräutergarten des Botanic Gardens
Interessant war es trotzdem, weil es Pflanzen aus aller Welt zu besichtigen gibt und viele seltene Vögel und Tierchen. Lustig ist es, wenn die Aale auf der nassen Wiese rumzappeln.
Nach dem Botanic Garden sind wir zum Queen Victoria Markt gefahren. Ein riesiger Markt, wo es alles zu kaufen gibt. Nachmittags haben wir uns dann noch den Hafen und die Innenstadt angeguckt. Sehr interessant, weil die Architektur sehr abwechslungsreich ist. Neben einem Haus von aus dem 19. Jahrhundert steht eben einfach mal ein Hochhaus von gestern.
Noch am selben Tag sind wir in die Grampians gefahren, hier hatte es offenbar gar nicht geregnet. Wir sind wieder auf den Mt. Stapylton Campingplatz gefahren. Der ist ziemlich cool: Neben den vielen Kängurus gibt es Emus und weiße Riesenpapageien, die zu hunderten in einem Baum am Ende des Campings nächtigen. Leider machen die früh so einen Lärm, dass man ab halb sieben nicht mehr schlafen kann. Das hat mich allerdings nur wenig gestört, da man sowieso zeitig aufstehen muss, wenn man an der Taipan Wall klettern will. Außerdem hat der Campingplatz viele Mücken zu bieten, die in unerträglicher Zahl ab Einbruch der Dämmerung vorhanden sind. Ziemlich cool ist dafür die „Buschdusche“, bei der man 12 Liter aus dem Regenwassertank in einen Eimer kippt, der unten einen Duschkopf dran hat. Damit kann man erstaunlich lange duschen.
Nun kurz zum Klettern. Da in den Grampians derzeit nur der Nordteil zugänglich ist, waren wir fast ausschließlich am Mount Stapylton klettern und dabei vorrangig an der Taipan Wall.
Taipan Wall im Abendlicht
Jeder der diese Wand und ihre Ausrichtung (nordwestlich) kennt, kann sich vorstellen, dass es sehr ungewöhnlich ist, wenn man im australischen Hochsommer beim Sichern 2 Jacken und Handschuhe anhat. An den ersten Tagen war es echt kalt bis nachmittags die Sonne den Fels enorm aufwärmt. Wir haben eine Menge von den klassischen Routen geklettert. Am ersten Tag haben wir uns versehentlich mit der falschen Route aufgewärmt und ich war echt frustriert wie schwer 21 sein kann, bevor der Local um die Ecke kam und mir erzählte, dass ich gerade ne 26 geklettert bin. Bei mir lief es echt ganz gut und ich habe mich schnell an die runden Griffe und weiten Züge gewöhnt. Lisa konnte auch am zweiten Tag  „Invisible Fist“ (die „Aufwärmroute“ vom Vortag) Rotpunkt klettern. Generell ist die Taipan Wall ziemlich beeindruckend. Eine mehr als 100m lange, überhängende, glatte Wand. Viele der 1-3 Seillängen Routen sind dementsprechend eher schwer und man braucht ganz schön Ausdauer. In den leichteren Routen gibt es teilweise nur 1-2 Bohrhaken auf 50m. Andere Routen sind gut mit Bohrhaken abgesichert.
Beim Rotpunkten von Mr. Joshua (25)

Wenn die Sonne nachmittags in die Wand kommt, kann man eigentlich woanders hingehen, denn es gibt in der Nähe noch ein paar schöne Wände mit guten Routen (Wall of Fools und Sandinista Wall). Seit wir angekommen sind ist es jeden Tag wärmer geworden. Gestern hatten wir schon 33°C, da hat es diese Nacht gleich mal durchgeregnet.

Samstag, 5. Februar 2011

Tschüssi Tassie


Heute gibt’s mal nen langen Blog, denn ich hab viiiiel Zeit. Wir fahren neun Stunden mit der Fähre zurück aufs Mainland. Die Tagfähre ist günstiger, weil man nachts eine Unterkunft, also eine Kabine oder so nehmen muss. Es gibt nur die eine Fährgesellschaft und entsprechend sind die Preise. Naja, jedenfalls sitzen wir jetzt hier rum, versuchen sinnvolle Sachen zu tun und Tino näht seine Kletterhose, wobei er feststellte, dass es bei Wellengang nicht so einfach ist, den Faden in die Nadel einzufädeln. In den Nachrichten sehen wir, was schon wieder in Queensland los ist, gut dass wir da nicht hinwollen. Tino ist gerade traurig, dass er den ersten Film im Fährkino verpasst hat: Kung Fu Panda. Vielleicht kann er sich mit dem Comic-Tier-Malkurs ablenken.

Unsere zweite Woche auf Tasmanien war noch mal super, auch wenn der Totem Pole natürlich nicht zu toppen ist. Tasmanien ist ganz anders als der Rest von Australien, eigentlich ist es eher wie Neuseeland: angenehme Größe, aber größer als man erst denkt, alles ist grün, hügelig, die Städte sind nicht zu groß,…

Wir haben uns am Ruhetag mit meiner Cousine Anita die größte Stadt der Insel,  Hobart, angeguckt und waren am nächsten Tag direkt über der Stadt am Mt. Wellington an den Organ Pipes klettern. Hobart ist direkt am Meer, aber auf der anderen Seite der Stadt steht einfach mal einen 1270 m hoher Berg. Samstagfrüh waren da total viele Radfahrer unterwegs. Auf nur 20 km Strecke vom Stadtzentrum zum Gipfel kann man gut Höhenmeter machen. Die Organ Pipes sind wieder so cool aussehende Doleritsäulen wie in Ben Lomond, aber mit mehr Struktur, wodurch es auch Wandkletterei gibt. Es gibt richtig tolle 60m lange Sportkletterrouten, in denen mal alle unsere Exen zum Einsatz kamen.

Dann gings weiter zur Freycinet Peninsula, wo wir erstmal zur Wineglass Bay gewandert sind. Das soll einer der 10 schönsten Strände der Welt sein und er ist auch echt hübsch, allerdings nicht so strahlend weiß wie auf allen Werbefotos, da wird wohl immer der ganze Seetang und so rausretuschiert. Wir waren an der White Water Wall klettern, der Name ist Programm, denn das Meer geht voll ab. Man klettert schöne Trad-Routen an der Steilküste, zur Abwechslung mal am Granit und rungsen die Wellen gegen den Fels. Man steht halt unten immer auf einem Felsplateau knapp über dem Wasser und wird hoffentlich nicht nass, obwohl es manchmal schon ziemlich beängstigend ist, wenn da so richtig große Wellen angerollt kommen.  Einmal hatte mich Tino gerade ein paar Meter nachgeholt, als mein Sicherungsplatz unten komplett eingeweicht wurde.

Fünf Minuten von der White Water Wall gibt’s auch einen superschönen Zeltplatz, der leider nur über einen 4-Wheel-Drive-Track zu erreichen ist. Allrad braucht man zwar eigentlich nicht, es ist mehr eine Frage der Bodenfreiheit und unser Brownie hätte das wahrscheinlich schon irgendwie geschafft, aber wir wollten ihn nicht schrotten und es war Regen angesagt, also haben wir lieber draußen geparkt und gepennt und sind zum Klettern die 2,5 km gelaufen. Lieber uns schinden als das Auto J

Am nächsten Tag waren wir in einem der wenigen Sportklettersektoren, in der Star Factory. Wir haben uns da nicht gerade mit Ruhm bekleckert, hatten aber einen guten Klettertag mal wieder in toller Umgebung. Von der Wand gehen geneigte Felsplatten direkt bis ins 70 m  weiter unten gelegene Meer, wenn man ausrutscht ist man weg. Der Fels ist oranger Granit und es gibt total viele schwere Routen. Unsere 23 zum Aufwärmen war auch richtig super und rau, bei den anderen Routen war der Fels zum Teil wie poliert (aber nicht vom vielen Klettern, sondern einfach so) und es war auch mal wieder alles viel zu hart eingestuft.

Am Ruhetag sind wir am Bare Rock eine supertolle Dreiseillängentour geklettert, Sapphire Rose 22. Als wir am Parkplatz standen war noch pralle Sonne und wir dachten, dass wir in der schwarzen, nördlich ausgerichteten Wand (Norden ist hier die Sonnenseite) voll gebraten werden, aber pünktlich am Einstieg kamen auf einmal Wolken und wir hatten perfekte Bedingungen. Tasmanien war vom Wetter (und auch sonst) eh super. Die Route ist komplett geboltet, beste Leistenkletterei und 100 m lang gleich bleibend schwer. Und weil ich immer fein alle Tradrouten nachsteige, durfte ich jetzt mal alle Seillängen vorsteigen. Yeah.

Zum Abschluss waren wir noch zwei Tage in Hillwood klettern, dass ist eines der wenigen Sportklettergebiete auf Tassie. Es ist ein bisschen wie im Frankenjura, kleine grüne Wände im Wald. Man wundert sich dass das Gebiet überhaupt mal entdeckt wurde. Aber die Kletterei ist voll cool und es macht echt Spaß. Es sind liegende Doleritsäulen mit kleinen Festkrallleisten oder großen abschüssigen Sloperleisten (also nicht wie in Franken).

Das wars also mit Tasmanien, uns hats richtig gut gefallen, alles hat gepasst. Wir haben auch festgestellt, dass es viele Picknick-Areas mit einem Barbeque gibt, da drückt man unten auf einen Knopf und dann wird oben die Platte heiß und man kann drauf grillen. Die Dinger sind meistens schön sauber, so wie alle öffentlichen Einrichtungen hier. Wir haben sogar mal in einem Kaff einen kostenlosen Campingplatz mit warmen Duschen gefunden. Duschen ist immer ein Event, weil es so selten vorkommt und so waren wir echt glücklich.

Übrigens kann man auf Tassie kostenlos Bibliotheksmitglied werden und dann den neuesten Kletterführer ausleihen. Ach, es war einfach alles perfekt….

Mittwoch, 26. Januar 2011

Tasmanien

Nach zwei weiteren richtig schönen Klettertagen in Arapiles waren die Grampians immer noch zu, also mussten wir unseren Plan ändern. Was wir eigentlich als Alternative gedacht hatten falls es zu heiß ist, wurde nun zur Flucht vor dem Wasser: wir sind nach Tasmanien gefahren. Das war auf jeden Fall eine super Idee, uns gefällts hier gut.

Vorher sind wir aber noch die Great Ocean Road langgefahren, das ist ja das touristische Must-have. Die Küste ist wirklich richtig schön, aber vor allem an den 12 Aposteln sind eindeutig zu viele Japaner-Reisegruppen unterwegs. Auf der Stichstraße zum Otway-Leuchtturm haben auf einmal alle Autos angehalten - in den Bäumen saßen überall Koalas, total lustig (der Leuchtturm ist übrigens sinnlos…).
London Bridge (Great Ocean Road)

Koalas mal nicht im Zoo (selten)

Auf Tassy waren wir zwei Tage in Ben Lomond klettern, da gibt es solche sechseckigen Doloritsäulen, an so was wollten wir schon immer mal klettern. Die Umgebung und die Kletterei sind ziemlich alpin, man hat eine Stunde Zustieg über ein nerviges Blockfeld aus umgefallenen Säulen. Dafür hat man dann geniale Risskletterei am superrauen Fels. Die 100 bis zu 150 m langen Routen enden alle auf einem  Plateau, von dem es eigentlich mal eine Abseilpiste gab, die leider von einem Traditionalisten entfernt wurde. Zum Glück waren bei uns einige andere Kletterer da und so wurde für zwei Tage ein Abseilseil eingerichtet. Die anderen waren alles sehr lustige und nette Australier, wir hatten echt viel Spaß. Einer stellte dann fest, dass es eigentlich ziemlich sinnlos ist, dass es hier ein kilometerlanges Cliff gibt und sich alle Kletterer auf zehn Metern drängeln…
Lisa im Ben Lomond Dolorit

Die letzten beiden Tage waren perfekt, wir waren erst am Moai, der ist 25 m hoch und steht auf der Spitze von einem Felsplateau im Wasser und es gibt echt nette Routen daran. Und gestern das Highlight: wir waren auf dem Totem Pole! Ein 70 m Turm mit 4 m Kantenlänge mitten im Wasser, was will man mehr. Die zwei Stunden Bushwalk hin nimmt man da gern in Kauf, dann seilt man 60 m ab und muss irgendwie zum Fels rüber kommen. Bei Ebbe und wenig Wellen könnte man über die Blöcke hopsen, bei uns hätte man da aber sehr nasse Füße bekommen. Also ist Tino von der hintersten Ecke des Absatzes am Massiv losgerannt und mit Schwung zum Totem Pole rübergependelt. Der Rest ging auch gut, die Route ist sehr schön, für 24 aber nicht einfach. Mittlerweile sind alle Carrots durch Bohrhaken ersetzt, man muss also nicht mehr den ganzen Chalkbag voller Bolthanger haben. Zum Schluss baut man einfach eine Seilbahn zum Massiv und fährt rüber, mit tollem Blick nach unten.  Auf dem Rückweg haben wir sogar noch einen Delfinschwarm gesehen.
Tino am Moai

Lisa bei der Seilbahn vom Totem Pole zurueck zum Festland (leider sieht man nur die Haelfte vom Gipfel)

Sonntag, 16. Januar 2011

Arapiles

Lisa klettert Kachoong 21

Tino in Have an nice Flight 25
Nach einem weiteren Unwetter waren die Wolken auf einmal weg und wir hatten jetzt drei Tage gutes Wetter. Für australische Verhältnisse sind die Temperaturen sehr angenehm.
Zum Klettern am Mount Arapiles gibt es ja unterschiedliche Meinungen, einige halten es für das beste Klettergebiet der Welt, andere finden es nicht so toll. Das Gebiet sieht erstmal ganz cool aus, der Zeltplatz ist hübsch und man kann von da zu allen Sektoren laufen, das ist super. Außerdem hopsen überall Kängurus rum. Die Kletterei ist oft etwas scary, weil fast alles selbstabzusichern und der Fels ziemlich glatt ist. Auch was im Kletterführer als Sportkletterroute drinsteht hat manchmal ganz ordentliche Hakenabstände. Insgesamt hat es uns aber schon gut gefallen, es gibt echt ein paar tolle Linien und die Felsstruktur fetzt.

Von oben kann man super über das komplett flache Land ringsrum gucken, wo im Moment eine tolle Fluss- und Seenlandschaft ist, alle Felder und Wiesen sind überflutet. Weiter weg sieht man außerdem die Grampians und orange leuchtend sogar die Taipan Wall, da müssen wir unbedingt noch hin, das ist nur gerade nicht so einfach. Und weil immer noch Bäche über den Campingplatz flossen haben wir uns auch getraut, abends Lagerfeuer zu machen. Dann haben wir uns zu viert (mit Franz und Flo) schön in den Qualm gesetzt und uns gefreut, dass da endlich mal keine Mücken waren. Tinos Rekord im Mücken-mit-einer-Hand-erschlagen liegt übrigens bei fünf auf einen Streich.

Wir fragen uns auch, wo eigentlich alle Kletterer hin sind, das ging schon in Neuseeland los - wenig los in Paynes Ford, gar nix los in Castle Hill (maximal 2 andere Boulderer, ich dachte da ist immer Party im Shelter?) und in Arapiles sind wohl normalerweise auch dreimal so viele Leute. Die einzigen die wir noch getroffen haben, sind zwei Adersbacher, mit denen wir vor zwei Jahren im Camp 4 ein Campsite hatten. Die australischen Kletterer schaufeln wahrscheinlich gerade Sandsäcke oder fahren Boot.

Im Moment überlegen was wir in den nächsten Tagen machen, denn der Grampians Nationalpark ist komplett geschlossen, von der Nothern Grampians Road fehlen z. B. einfach mal 120 m. Hier in Horsham wird für heute abend oder morgen Hochwasser erwartet, wie es nur einmal in 200 Jahren vorkommt. Der Hubschrauber kreist schon über der mit Sandsäcken gefüllten Innenstadt mit Notstromaggregat vorm Rathaus.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Australien - anders als erwartet

Nach der Ankunft in Sydney war erst einmal Autokaufen angesagt. Gerade ist zwar eine blöde Zeit dafür, weil viele Backpacker um Weihnachten herum ein Auto kaufen und nun der Markt leer ist, aber wir haben doch eins bekommen:

Unser „Brownie“ ist ein Holden Camira ´83. Man kann gut drin schlafen, er war sehr günstig,  fährt für sein Alter aber super und wird das hoffentlich auch noch ne Weile tun, denn in Australien ist echt gerade Ausnahmezustand. Aber dazu später…
unser "Brownie"

Über Freunde haben wir erfahren, dass Colin (der schon 3 Jahre in Dresden gewohnt hat, aber Australier ist) in Sydney wohnt. Also haben wir ihn besucht und haben von ihm eine Menge nützliche Sachen zum „Überleben“ in Australien bekommen. Außerdem hat er uns gesagt, dass Mathias Reinfried mit Sandra und Kind in den Blue Mountains ist. Also ab in die Blue Mountains. Und ab da beginnt das Desaster, das wohl noch eine Weile anhalten wird.

In Australien ist nämlich gerade einer von 20 Sommern in denen es NUR regnet. Colin meinte es regnet seit August. Wer die Nachrichten verfolgt hat, weiß das in Queensland Land unter ist. Aber auch andererorts ist es nicht besser. Wir haben in den 2 Tagen Blue Mountains nicht eine Stunde weiter als 100m gucken können und Klettern geht da natürlich auch nur bedingt. Also haben wir uns gedacht, fahren wir mal schnell die 1200 km in die Grampians und zum Mt. Arapiles. Das ging auch erst noch ganz gut bei nur Nieselregen, aber irgendwann war dann das erste Wasser auf der Straße und etwas später war die ganze Straße überflutet. Folge: 200 km Umweg. Am Abend sind wir endlich in Horsham unweit der Grampians angekommen, haben Flo und Franz (die beiden Österreicher, die wir auf Fiji und in Neuseeland getroffen haben) getroffen und sind in die Grampians gefahren. Das war der nächste Fehler! Über Nacht hat es 140mm geregnet (Vergleich Berlin: Jahresniederschlagsmenge = 500mm). D.h. wieder alles überflutet. Wir sind gerade so wieder rausgekommen, 2 von 3 Zufahrtsstraßen waren gesperrt und auf der Dritten sind wir im Matsch stecken geblieben. Erst der Parkranger konnte uns mit seinem Jeep befreien. Also wieder nach Horsham und eigentlich über Natimuk zum Mt. Arapiles. Leider war die Straße durch Natimuk gesperrt, weil das halbe Dorf unter Wasser stand. Das konnte man heute in vielen Zeitungen lesen. Gut, also sind wir über kleine Straßen 50 statt 9km zum Mt. Arapiles gefahren. Dort war gerade mal richtig Sonne und wir konnten noch 3 Routen klettern. Der Abend war allerdings wieder eine Katastrophe, aber nicht wegen dem Wetter sondern wegen den tausenden Mücken. Da hilft auch kein Mückenspray mehr, wenn man nicht atmen kann ohne eine Mücke einzuatmen.
Heute früh Regen und ein Ranger, der uns empfiehlt den Camping zu verlassen, weil noch mal 150mm Niederschlag an einem Tag erwartet werden. Erst wollten wir trotzdem da bleiben, aber dann haben uns die Mücken vertrieben. Das stinkt gewaltig und deshalb sind wir nach Horsham gefahren, um wenigsten in der Bibliothek trocken sitzen zu können.
auf der Straße?

Dafür kann man Bouldern überm Wasser


Fazit: 6 Tage Australien, davon 0 Tage ohne Regen. Der Bauch wird frustbedingt und aufgrund mangelnder Bewegung immer dicker. Mt. Arapiles ist abgesoffen und die Grampians in der nächsten Woche nicht erreichbar (weil nur Dirtroads)
So macht Urlaub kein Spaß….

Ach ich vergaß: Giftige Tiere gibt es in Australien viele. Mich hat in Sydney eine „Bluebottle“ Qualle angefallen und Lisa wurde von einem Vogel angekackt. Außerdem haben wir echt große Spinnen gesehen und diese rote, kleine, die wohl eine der gefiftigsten der Welt ist. Weiter so…

Positiv: ich konnte gestern im 2. Versuch eine tolle 25 klettern und die Hoffnung auf besseres Wetter

Freitag, 7. Januar 2011

Gesundes neues Jahr!

Nachdem wir uns aus den Wassermassen befreit hatten, haben wir auf dem Parkplatz in Te Anau ganz unromantisch Weihnachten verbracht und in der Nacht wurden wir von Orkanböen und Regen aus dem Zelt vertrieben. Nachdem wir die Westküste verlassen hatten, wurde das Wetter wenigstens wieder etwas besser. Wir sind entlang der Ostküste gefahren, haben Sightseeing betrieben (Dunedin, als schöne Stadt mit tollen Stränden und der steilsten Straße der Welt (35 %)). Außerdem noch die Moeraki Boulders, diese lustigen Steinkugeln mit bis zu 2m Durchmesser, die irgendjemand (vielleicht der Schöpfer) direkt an einem Strand der Ostküste geparkt hat. Der Versuch Pinguine durch illegales Vorbeiklettern an der Kasse zu sehen, schlug leider fehl, da die doofen Vögel noch nicht wieder an Land gekommen waren. Dann ging es weiter zu den Bouldergebieten Elephant Rock und Hulk Hogen, in denen wir uns ganz gut auf die bevorstehende Woche in Castle Hill einstellen konnten. Dort gibt es allerdings kein Internet, und in den nächsten Städten (bis 40km Entfernung) hatten fast alle Cafes und Bibliotheken bis nach Neujahr zu. Auch in den übrigen Internetmöglichkeiten war tote Hose, weil ein erneutes Erdbeben in Christchurch das Internet lahmgelegt hat.
Deshalb schreibe ich jetzt erst vom Flughafen in Christchurch, nachdem ich die Sprengstoffkontrolle (warum schon wieder ich) schwitzend überstanden habe, weil ich aus Gewichtsgründen 2 Hosen und 4 Pullover angezogen hatte.
Damit ist der Neuseelandteil unserer Reise fast abgeschlossen. Zeit für ein sehr kurzes Resumee: Neuseeland hat eine sehr abwechslungsreiche und schöne Landschaft, die oft an die Alpen erinnert. Neben vielen (etwa 50mio) Schafen und Kühen gibt es wenig Leute (4mio), die zum Großteil in der Stadt leben. Das erste Mal im Linksverkehr fahren ist ein Erlebnis, genauso wie das Wetter, was wohl bei uns nicht so toll war. Ich habe nie soviel Regen auf einmal erlebt.

Zum Sportklettern hat uns Paynes Ford am Besten gefallen, aber das Bouldergebiet um Castle Hill ist noch viel besser und da kann man auch ein paar Routen klettern. Die Kalkboulderei dort ist sehr gewöhnungsbedürftig, aber ziemlich faszinieren, wenn man es einmal bisschen raus hat. Viele Boulder sind nicht so überhängend, dafür wartet oft ein gemeiner Abschlussmantle auf einen, bei denen man versucht ohne jegliche Griffe irgendwie auf den Boulder zu kommen. Da kann man dann von oben lustig, verkrampfte Fotos machen. Lisa hat ihr Ziel erreicht. Am letzten Tag gelang ihr eine V6 mit vielen Knieklemmern. Und ich habe mein Ziel etwas verfehlt, aber dafür manteln geübt. Ich muss also noch mal wiederkommen.
Stemmen, Pressen , Drücken - typisch Castle Hill (V2)

Nette, exponierte V3

V4 Mantle können verdammt schwer sein

Lisas V6 in letzter Sekunde

Ab nach Australien…